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Vom Wahn und Sinn

Vom Wahn und Sinn

De : Christoph Kolb Alexander Hachmann
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Zwei Designer kommen vom Hölzchen aufs Stöckchen in Philosophie, Zeitgeist, Kultur und Design. **** Alex & Chris sind Gründer der Wahnsinn Design GmbH, sind ziemlich beste Freunde und reden über Alles. Ihre Freundschaft begann im Jahr 2005 mit einem solchen Gespräch und immer noch haben beide große Freude, Stunde um Stunde die Welt gemeinsam zu ergründen. Jetzt nehmen sie Dich mit, Ihrem manchmal klugen, machmal weniger klugen Gedankenaustausch zu folgen.2023 Wahnsinn Design GmbH Art Philosophie Sciences sociales
Épisodes
  • Age of the Controller
    Sep 8 2026

    Age of Controlling; Bürokratische Schulden; Warum am Ende nie jemand schuld ist und der Weltfrieden nur 120 einfache Schritte entfernt.

    Chris erinnert sich, dass da noch ein Thema aus der letzten Folge offen war: das „Age of Controlling". Immer mehr Formulare, Vorentscheidungen, Nutzungsbedingungen, und bloß die richtige Reihenfolge einhalten. Dabei findet Alex Bürokratie im Prinzip gut, denn sie macht dich unabhängig vom Gusto deines Gegenübers. Das Problem beginnt woanders: bei Entscheidungen, die nicht auf die Sicherheit der Sache optimiert sind, sondern auf die Sicherheit der Entscheidung. Kommt hinterher Grütze raus, zeigst du eben auf den Prozess.

    Chris erzählt von einer maroden Brücke im Ruhrpott, an der 50 Organisationen mitentscheiden dürfen, und von dem Politiker, dessen Lösung eine 51. Behörde ist. Es geht um bürokratische Schulden ganz im Sinne technischer Schulden, um den Stempel, der nicht kommt, weil jemand krank ist, und um die Frage, ob am Ende niemand schuld ist oder ob genau das der Sinn der Sache war.

    Chris hat sich vorbereitet (was Alex ehrlich überrascht) und Hannah Arendt mitgebracht: „In einer voll entwickelten Bürokratie bleibt schließlich niemand übrig, mit dem man diskutieren, dem man Klagen vortragen, auf dem man Macht ausüben könnte." Alex widerspricht der Ursächlichkeit. Nicht Regeln machen ungerecht, sondern ihre ungleiche Anwendung. Trotzdem: Wer jemanden blockieren will, braucht keine Opposition, nur einen ausreichend komplizierten Käfig. Meistens reicht aber Inkompetenz, wo man Boshaftigkeit vermutet.

    Das Verwaltungsgericht als Chris' Lieblingsinstitution, ein runder Tisch, an dem Monate zu einer Stunde werden, getrennte Warm- und Kaltwasserhähne in England und eine Bohrfliege, deren Bekämpfung jemand für Unsinn hielt. Ein paar gesparte Millionen, ein exponentielles Problem zurück.

    Die Frage nach der Alternative heben wir uns auf. Bis dahin gründen wir die Bürgerkratie: Jeder bekommt seine eigene Behörde, Politiker füllen erst das Formular „Wir wollen Ihre Stimme" aus, und der Weltfrieden ist nur noch Formular WF 23 entfernt. Fair muss es ja sein.

    In der Folge erwähnt:

    • Bürokratie: https://de.wikipedia.org/wiki/Bürokratie
    • Zwei Hähne in UK - auf BBC: https://www.bbc.com/news/uk-england-42948046
    • Neuwelt-Schraubenwurmfliege: https://de.wikipedia.org/wiki/Neuwelt-Schraubenwurmfliege
    • Schraumbenwurmfliege in den USA - Frankfurter Rundschau: https://www.fr.de/panorama/experten-ordnen-risiken-ein-usa-neuwelt-schraubenwurmfliege-taucht-in-texas-auf-zr-94345967.html

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    Noch ein Podcast:

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  • Chill mal deine Basis
    Aug 11 2026

    Sieben Hüte, drei Bälle; Vom Müssen zum Möchten und der kleinen Kartoffel in uns.

    Chris‘ Kopf ist im Tumult. Er trägt gerade sechs, sieben Hüte gleichzeitig: Unternehmer, Papa, Partner, Häusle-Renovierer, Designer, Projektverantwortlicher. Jonglieren gelernt hat er mal, aber mit drei Bällen, nicht mit sieben Hüten. Eigentlich, so Chris, ist er kein Planer, sondern jemand, der surft: immer im Moment, wenig an gestern und morgen gebunden. Und trotzdem: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert" – Hannibal, A-Team, Zigarre im Mund (bei Chris ist es der Tee). Aber was heißt eigentlich „in Control sein", wenn kein Tool den ewigen Kontextwechsel abnehmen will?

    Alex kontert mit einem fast kalenderspruchmäßigen Gedanken: Der Weg zu etwas lässt einen oft genau das Gegenteil fühlen: Wer stark werden will, muss durch die Schwäche. Und dann ist da noch der unbequeme Faktor: Vielleicht wird man einfach älter. Fantasy-Helden mit 17 gegen die 40-jährige Heldin, die sich erstmal stöhnend hinsetzt, die Brille aufsetzt und ein Mittagsschläfchen macht. Es geht um Selbstwirksamkeit und Freiheit, um kulturelle Prägung gegen die eigene Natur. Was wäre in einer nicht-chronologischen Gesellschaft, wo man vorbeikommt, wenn man vorbeikommt, heute nicht, dann morgen? Chris ist überzeugt, da ginge es ihm besser.

    Alex arbeitet sich an Chris' „ich muss" ab. Du musst nicht pünktlich zu deiner Tochter kommen. Du möchtest es. Du musst nicht gut für deine Familie kochen. Du wählst es. Das Universum zwingt zu gar nichts. Diese Umdeutung nimmt nicht die Verantwortung weg, aber sie verwandelt das passive „die Welt macht das mit mir" in eine aktive Wahl, auf die man sogar stolz sein darf.

    Helikopter-Eltern und ihr Gegenteil, Fünfjährige mit echter Cooking Station, gruselige Frischluft-Babykörbe aus amerikanischen Fenstern und der Peter, der auf der Kirmes zwei Minuten verschwindet, in denen Chris tausend Tode stirbt. Und die ehrliche Erkenntnis, dass „alles erledigt, aber nichts erlebt" abends nur eine leere Energiekasse übriglässt.

    Leben wir im „Age of the Controller", gewinnen wir ein Spiel, indem wir messbare Werte verbessern, die uns gar nicht zum eigentlichen Ziel bringen? Aber das ist ein Thema für eine andere Folge. Wenn Chris es bis dahin nicht vergisst. Und wenn doch, ist das auch okay.

    In der Folge erwähnt:

    • Serie: Das A-Team: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_A-Team
    • Baby Körbe zum Lüften: https://www.spiegel.de/geschichte/kaefig-kinder-warum-man-kinder-zum-lueften-in-kaefige-setzte-a-1130499.html

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  • Vom Brot der Popo
    Jul 14 2026
    Malheur im Spellcheck; Der Popo des Brotes; Die erfundene Zitrone und warum nichts so ursprünglich ist, wie es tut. Alex startet mit einer Beschwerde: Das iPhone kennt das Wort „Malheur" nicht, zumindest nicht im Deutschen. Von dort geht's tief in die frankophile Vergangenheit Kölns, zu Lehnwörtern, napoleonischer Besatzung und der Frage, warum „Franco" so miese Vibes hat. Vom Wort zum Brot: Chris' Tochter hat den „Popo" des Brotes etabliert, was sofort die Frage aufwirft, was eigentlich ein Brot definiert. Ein Schlenker über fragwürdige KI-Fitness-Videos hin zu einer alten japanischen Lauftechnik, dem „Edo-Laufen", das als Bewegungskulturgut bewahrt werden soll. Was man nicht alles nicht kennt. Womit wir bei kulturellen Codes wären. Alex erzählt von einer Autorin, die den Rhythmus von Hopsscotch (Himmel und Hölle) in ein Gedicht webt. Erkennbar nur für die, die die Referenz kennen. Kunst steht nie außerhalb ihrer Zeit (man denke an all die Alf-Sprüche, die heute keiner mehr versteht). Es geht um Form und Funktion, um ein Versmaß, das natürlich aus der Sprache fließt statt hineingequetscht zu werden, und darum, dass Intention Teil des Kunstwerks ist. Und weil Klassifizierungen fast immer nachträglich entstehen, fragen wir uns: Wird etwas populär, weil es einen Namen bekommt oder bekommt es einen Namen, weil es populär wurde? Survivor-Bias inklusive. Selbst das vermeintlich Monolithische zerbröselt: Rot ist nicht „die" Farbe Chinas durch alle Dynastien hindurch und das weiße Hochzeitskleid ist erstaunlich jung. Chili kam aus Südamerika, Kimchi war lange hell wie Sauerkraut, Gochujang ist „nur" rund 300 Jahre alt. Wie lange muss etwas her sein, damit es als ursprünglich gilt? Die Kartoffel brauchte eine Marketingkampagne, der Kohl stammt von einem windschiefen Küstengewächs ab, und die Zitrone gab es in dieser Form nie – „we made lemons". Bleibt die große Frage: Ist diese Kurzsichtigkeit, das Gefühl, der Status quo sei „normal", gelernt oder zutiefst menschlich? Mode beweist es laufend: Der Ivy-League-Look war in Japan Rebellion und in den USA Establishment, Jeans wanderten vom Zeltstoff zur Goldgräberhose zum Underdog-Symbol zum Allerweltskleidungsstück. Everything is old and new again. Neu ist offenbar nur die Kombination. Folgt uns gerne zwischen Sprache und Salat, zwischen Brot-Popo und Barockkleid. Den Rest knüpfen wir beim nächsten Mal an, ihr erinnert euch dran, wir vielleicht nicht. In der Folge erwähnt: Maya Angelou im Interview (1973): https://www.instagram.com/reel/DXMYVzrEhWT/Maya Angelou: https://de.wikipedia.org/wiki/Maya_AngelouHopsscotch (Himmel und Hölle): https://en.wikipedia.org/wiki/Hopscotch„Edo-style“ running style - CNN: https://www.youtube.com/shorts/LWWkKldmUogÜber die Kartoffel: https://www.deutschlandfunk.de/lob-der-tartuffoli-100.htmlHerkunft der Kartoffel: https://de.wikipedia.org/wiki/Kartoffel#Ursprüngliche_HerkunftDie Jeans: https://de.wikipedia.org/wiki/JeansBrautkleider: https://en.wikipedia.org/wiki/Wedding_dressGochujang: https://en.wikipedia.org/wiki/Gochujang --------Noch ein Podcast:Perspektiven auf Software & Design von Chris & Alex.www.bessermit.design --------
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    1 h et 18 min
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