Épisodes

  • Krone auf der Flucht, Gespenster bitte mit Termin
    Oct 30 2026
    Das Zahnrad dreht sich wieder – nur die Krone hat am Sonntag beschlossen, aus dem Dienst auszuscheiden. Einfach so. Ohne Kündigungsfrist, ohne Abschiedsrede. Man wartet pflichtbewusst auf den Schmerz, wie auf einen verspäteten Zug: Gleich müsste er doch kommen. Aber nichts. Der Zahn schweigt, die Krone ist weg, und die Zunge kontrolliert die Baustelle im Minutentakt. Am Montag geht’s natürlich direkt zum Zahnarzt. Vorher noch schnell die Haare ab – wenn schon eine Ruine im Mund, dann wenigstens eine ordentliche Fassade. Beim Junior läuft die Schule derweil wie von selbst. Die Themen sind so spannend, dass man fast misstrauisch wird: Schule – und keiner muss mit der geistigen Schubkarre hinterherschieben? Frau Alltagswahnsinn liegt dafür nachts um drei wach und fragt sich, ob Pinguine Knie haben. Das Gehirn trägt offenbar einen weißen Forscherkittel über dem Schlafanzug und verweigert den Feierabend. Wie kniet so ein Pinguin überhaupt? Und wenn er stolpert: Fällt er hin oder steht er schon? Das Ärztekonsil tagt ebenfalls wie gewohnt. Bloß keine neuen Abläufe – der Alltagswahnsinn möchte schließlich wissen, auf welchem Stuhl er Platz nehmen darf. Draußen hat der Herbst den Himmel auf die Farbe eines ausgewrungenen Spüllappens eingestellt. Im Garten ist derweil ein neues Spielzeug angekommen, das aussieht, als hätten die Ghostbusters ihre Ausrüstung zwischen Hecke und Kompost geparkt. Man erwartet jeden Moment grünen Schleim hinter dem nächsten Blumentopf und jemanden, der „Who you gonna call?“ ruft. Frau Alltagswahnsinn bleibt pragmatisch: Solange das Ding Laub statt Geister einsaugt, darf es bleiben. Sollte allerdings ein Gespenst aus dem Gebüsch schweben, möge es bitte eine Nummer ziehen. Für übersinnliche Vorkommnisse tagt schließlich schon das Ärztekonsil – und ohne Termin wird hier nicht gespukt.
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    35 min
  • Mission echte Welt: voller Erfolg!
    Oct 23 2026
    Der Ausflug in die reale Welt war ein voller Erfolg – offenbar ist sie doch besser organisiert, als ihr Ruf vermuten lässt. Schon die andere Region präsentierte sich verdächtig ordentlich: überall kleine Geschäfte, gepflegte Ecken und eine Infrastruktur, die tatsächlich funktioniert. Busse fahren, Wege führen irgendwohin und man bekommt fast den Eindruck, hier hätte jemand einen Plan. Das eigentliche Highlight: Der Junior hat seinen Freund im echten Leben getroffen. Nicht per Bildschirm, nicht als kleines Bildchen mit gelegentlichem Ton-Aussetzer, sondern dreidimensional, mit Beinen, Stimme und allem Drum und Dran. Das Experiment „soziale Kontakte außerhalb des WLANs“ ist damit offiziell geglückt – und soll nun unbedingt intensiviert werden. Auch Oma und Opa durften mitten hinein ins Abenteuer und wurden zum großen Orthopäden-Check-up begleitet. Dort wurde fachkundig geprüft, vermessen und vermutlich festgestellt, dass nach ein paar Jahrzehnten Nutzung nicht mehr jedes Ersatzteil fabrikneu klingt. Aber dafür gibt es ja Fachleute – und Menschen, die beim Warten geduldig Gesellschaft leisten. Für Frau Alltagswahnsinnhoch2 stand währenddessen der große Besprechungstag an: Was kann man tun, was muss man tun und wie schafft man es, sich selbst nicht ständig so doof zu finden? Die Antwort ist natürlich noch nicht vollständig ausformuliert, aber der Anfang ist gemacht. Vielleicht lautet ein wichtiger Punkt: weniger streng mit sich sein, öfter anerkennen, was bereits klappt – und nicht jede innere Baustelle sofort zum Großprojekt mit achtzehn Unterausschüssen erklären. Und sogar das Wetter hat sich der neuen Lage angepasst. Draußen ist es jetzt offiziell ungemütlich genug für Kerze, Decke und heiße Schokolade. Perfektes Timing also: erst mutig die reale Welt erobern, dann zurück aufs Sofa und den Erfolg mit ordentlich Kakao begießen. So darf es gerne weitergehen.
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    43 min
  • Unter dem Radar
    Oct 16 2026
    Nach einer doch etwas größeren Operation lautete die ärztliche Anweisung glasklar: schonen. Für einen Menschen mit Asperger heißt das allerdings nicht automatisch, gemütlich auf dem Sofa zu liegen. Es heißt vielmehr, den Alltag aus sicherer Entfernung zu beobachten, möglichst unauffällig unter dem Radar zu fliegen – und innerlich sehr genau zu registrieren, wie ringsherum langsam das Chaos ausbricht. Denn während der Patient offiziell nichts darf, dürfen die anderen plötzlich alles. Vor allem seine Aufgaben übernehmen. Und zwar zusätzlich zu den eigenen, die natürlich nicht einfach höflich warten. So entsteht im Umfeld eine besondere Form der Betriebsamkeit: Alle laufen schneller, reden hektischer und fragen regelmäßig Dinge, deren Antworten sonst zuverlässig von genau jener Person geliefert werden, die nun demonstrativ nichts tun soll. Der Alltag unterstützt dieses Experiment nach Kräften. Kaum glaubt man, einen funktionierenden Ablauf gefunden zu haben, taucht eine neue Besonderheit auf: etwas fehlt, etwas piept, jemand sucht etwas, oder eine Kleinigkeit entwickelt sich spontan zu einem abendfüllenden Projekt. Der Patient bleibt tapfer ruhig. Zumindest äußerlich. Innerlich werden längst Fehlerlisten geführt, Prioritäten sortiert und sehr vernünftige Verbesserungsvorschläge formuliert, die wegen des Schonungsgebots selbstverständlich niemand hören möchte. Auch kulinarisch läuft es hervorragend – sofern man „hervorragend“ sehr großzügig auslegt. Das Essen zu Hause schmeckt plötzlich nicht mehr. Vielleicht liegt es an den Medikamenten, vielleicht am Geschmackssinn, vielleicht auch daran, dass Nudeln mit guter Absicht trotzdem Nudeln mit guter Absicht bleiben. Also wurde kurzerhand ein wissenschaftliches Forschungsprojekt gestartet: Jeder Lieferdienst der Umgebung musste getestet werden. Pizza? Kontrolliert. Burger? Ausführlich geprüft. Sushi? Mehrfach validiert. Asiatisch, italienisch, indisch und alles, was sich in einer Pappschachtel transportieren lässt? Selbstverständlich in die Studie aufgenommen. Die Ergebnisse sind bislang eindeutig: Kochen wäre vermutlich günstiger, aber Forschung hat nun einmal ihren Preis. So läuft die Genesung weiter: Einer schont sich möglichst unsichtbar, alle anderen rotieren sichtbar, und vor der Haustür wechseln sich die Lieferfahrer im Schichtbetrieb ab. Am Ende werden hoffentlich alle wieder gesund – der Patient von der Operation, die Helfer vom Stress und der Geldbeutel vom kulinarischen Ausnahmezustand.
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    38 min
  • Schwarzwaldklinik im Leerlauf: Der Hamster hat Bettruhe
    Oct 9 2026
    Man ist wirklich froh, direkt nach der OP nach Hause zu dürfen. Bleibt man länger im Krankenhaus, nimmt man am Ende womöglich noch ein Haustier aus der Stationsfauna und eine handliche Keimsammlung als Souvenir mit. Zu Hause fühlt es sich dafür an wie eine Neuverfilmung der Schwarzwaldklinik – nur mit kleinerem Budget, weniger dramatischer Musik und mir in der Hauptrolle als Patient mit eingebautem Systemfehler. Das autistische Gehirn möchte natürlich sofort wieder den exakt geplanten Alltag starten. Das Hamsterrad läuft schließlich zuverlässig weiter – nur der Hamster wurde ausgebremst und darf körperlich nicht so, wie er mental längst will. Sehr beruhigend. Nichts macht einen Asperger-Autisten wahnsinniger als ein perfekter Plan, der wegen so etwas Unbedeutendem wie „Heilung“ nicht ausgeführt werden kann. Und plötzlich hat eine Woche ungefähr 38 Tage. Andere müssen alles erledigen, weil man es weder kann noch darf – zwei Wörter, die das Gehirn ungefähr so entspannend findet wie eine dauerhaft blinkende Fehlermeldung. Während um einen herum Termine, Aufgaben und Alltag vorbeirauschen, sitze man auf dem Abstellgleis und darf der Welt beim Funktionieren zusehen. Geduld soll ja eine Tugend sein. Offenbar eine, die noch nicht in unserem System installiert wurde.
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    44 min
  • Kamillentee und Nerven im Farbeimer
    Oct 2 2026
    Es ist vollbracht: Das komplette Haus ist gemalert. Die Wände strahlen, die Zimmer wirken plötzlich größer und alles sieht so neu aus, als müsste man beim Betreten eigentlich Überschuhe anziehen. Selbst die alten Möbel schauen ein wenig verunsichert, weil sie in dieser frisch renovierten Umgebung auf einmal aussehen, als hätten sie den Anschluss verpasst. Besonders Hedwig profitiert von der neuen Lage: Im frisch gemalerten Flur kann sie jetzt endlich fliegen. Während wir noch überlegen, ob die Farbe wirklich überall trocken ist, hat sie den Flur längst zur privaten Einflugschneise erklärt – natürlich ohne Rücksicht auf Leitern, Farbeimer oder menschliche Nerven. Nur mein Körper hat die Renovierung offenbar anders verstanden. Während das Haus jetzt wie neu ist, fühle ich mich eher wie ein Ausstellungsstück aus der Abteilung „stark gebraucht“. Jeder Muskel meldet sich persönlich, manche sogar mehrfach. Funktionieren geht noch – irgendwie. Es ist weniger ein eleganter Betriebsablauf als ein Notprogramm mit blinkender Warnleuchte. Die Malerpausen wurden dabei stets zuverlässig von Kamillentee begleitet. Andere Menschen gönnen sich beim Renovieren vielleicht Kaffee, ein belegtes Brötchen oder etwas mit Energie. Bei uns gab es Kamillentee – schließlich musste wenigstens einer im Haus beruhigend wirken. Natürlich bleibt es nicht beim Streichen. Mitten auf der Leiter, die Farbrolle in der einen und den letzten Rest Gleichgewicht in der anderen Hand, ruft der Junior: „Was wollte Lessing eigentlich mit der Aufklärung?“ Eine völlig normale Frage für genau diesen Moment. Also erklärt man Vernunft, Toleranz und selbstständiges Denken, während man gleichzeitig sehr vernünftig darüber nachdenkt, nicht rückwärts in den Farbeimer zu steigen. Kaum ist Lessing halbwegs geklärt, folgt Thomas Mann. Warum einfach nur eine Wand streichen, wenn man dabei auch noch deutsche Literaturgeschichte unterrichten kann? Ich balanciere also zwischen Decke und Fußboden, Bildungsauftrag und Absturzgefahr. Der Junior wartet auf eine verständliche Antwort, die Wand auf den zweiten Anstrich und mein Kreislauf auf eine Gelegenheit, sich unauffällig zu verabschieden. Über allem schwebt außerdem der bevorstehende Krankenhausaufenthalt. Der macht mich natürlich nicht nur ein bisschen nervös, sondern ungefähr so entspannt wie eine Katze vor dem Staubsauger. Man weiß, dass es sein muss, man möchte vernünftig bleiben – und trotzdem veranstalten die Gedanken im Kopf rund um die Uhr eine Sondersendung mit möglichen Szenarien, offenen Fragen und sehr dramatischer Hintergrundmusik. Vielleicht war das Streichen deshalb auch eine Art Beschäftigungstherapie: Solange man eine Kante abklebt, kann man nicht gleichzeitig sämtliche Krankenhausgedanken zu Ende denken. Theoretisch jedenfalls. Praktisch geht Multitasking bei uns immer: renovieren, zittern, Literatur erklären und so tun, als wäre alles völlig normal. Jetzt ist das Haus fertig, der Körper am Anschlag und der Kopf längst im Krankenhausflur. Aber immerhin: Wenn ich wieder nach Hause komme, erwarten mich wundervoll frische Wände. Und falls jemand fragt, ob sich die ganze Aktion gelohnt hat, antworte ich ganz klar: Ja. Nur mein Rücken möchte von dieser Aussage ausdrücklich Abstand nehmen.
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    28 min
  • Zwischen Farbchaos und Krankenhausflur
    Sep 25 2026
    Bei Familie Alltagswahnsinn stehen Malerarbeiten an. Eigentlich klingt das ganz einfach: Farbe aussuchen, Wände streichen, fertig. Doch wer Frau Alltagswahnsinn kennt, weiß: „Ganz einfach“ ist bei ihr höchstens die Beschreibung auf dem Farbeimer – und selbst die wird vorsichtshalber dreimal gelesen. Schon bei der Farbauswahl begann das große Drama. Weiß war zu langweilig, Creme zu gelb, Beige zu beige und „Sanfter Morgennebel“ sah verdächtig danach aus, als hätte jemand Grau nur einen besonders schicken Namen gegeben. Nach ungefähr 47 Farbkarten, mehreren Diskussionen und einem kritischen Blick bei Tageslicht, Lampenlicht und Handy-Taschenlampenlicht stand fest: Es muss eine Farbe sein, die gemütlich wirkt, zu den Möbeln passt, kleine Flecken verzeiht und möglichst auch noch gute Laune macht. Die Malerarbeiten selbst liefen ebenfalls nach bewährtem Alltagswahnsinn-Prinzip: Die Wand bekam Farbe, der Boden ein paar Sprenkel, die Kleidung ein neues Muster und irgendwo fand sich garantiert ein Pfotenabdruck, obwohl offiziell niemand in der Nähe gewesen war. Der Farbroller tropfte natürlich bevorzugt dort, wo keine Folie lag, und das Klebeband hielt entweder gar nicht oder so fest, als wolle es für immer Teil der Wand bleiben. Doch mitten zwischen Farbrollen, Abdeckfolie und der lebenswichtigen Frage, ob „Warmes Sandbeige“ wirklich wärmer ist als „Heller Küstenkiesel“, kommt nun eine kleine Planänderung: Frau Alltagswahnsinn muss ins Krankenhaus, damit dort etwas genauer abgeklärt werden kann. Natürlich hätte sie sich für eine Pause auch ein Wellnesshotel aussuchen können – aber offenbar war der Terminplan im Krankenhaus schneller frei. Also werden die Pinsel vorübergehend geparkt und die Farbkarten gegen Untersuchungsunterlagen getauscht. Die Wände können warten – schließlich laufen sie nicht weg. Und wenn Frau Alltagswahnsinn wieder zu Hause ist, geht es weiter. Vielleicht fällt die Entscheidung dann sogar leichter. Krankenhausweiß scheidet jedenfalls schon einmal ganz klar aus!
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    20 min
  • Urlaub? Von wegen!
    Sep 18 2026
    Kaum im Urlaub, hatte Frau Alltagswahnsinn eine geniale Idee: Anstatt zu Hause nutzlos herumzusitzen, wird kurzerhand das gesamte Haus innen neu gestrichen – selbstverständlich nach ihrem höchstpersönlichen Farbkonzept. Während Frau Alltagswahnsinn mit Pinsel, Farbrolle und kreativer Entschlossenheit durchs Eigenheim wirbelt, übernimmt Herr Alltagswahnsinn seine bewährte Spezialaufgabe: aufmerksam zuschauen und dabei möglichst zuverlässig im Weg stehen. Auch die tierischen Mitbewohner haben ihre Urlaubspläne angepasst: Die Wellis beziehen ihr neues Für-immer-Fünf-Sterne-Zuhause, und der Hund hat sich ebenfalls in den Terminkalender eingereiht – standesgemäß mit einem Facharzttermin. Erholung wird schließlich völlig überbewertet!
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    31 min
  • Wellness, Weißkittel und Vitamin-Wumms
    Sep 11 2026
    Es war wieder ordentlich was los: Die Fachärzte wurden so zahlreich besucht, dass man fast eine Bonuskarte für Wartezimmerkaffee beantragen könnte. Hände und Füße sind frisch gepflegt und treten jetzt wieder auf wie kleine Wellness-Stars. Auch die Haare sitzen schön, als hätten sie persönlich einen Termin beim roten Teppich gehabt. Der Pool ist inzwischen zu und verabschiedet sich mit einem leisen „Bis nächstes Jahr, ihr Planschprofis!“. Opa hat seine erste Vitaminbombe erhalten und dürfte nun innerlich leuchten wie ein frisch geladener Obstkorb. Und Asperger ist wieder im Rhythmus: mal schneller, mal langsamer, aber Hauptsache mit Taktgefühl und einem kleinen Augenzwinkern.
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    27 min