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Postels Stimmen

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De : Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel
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Der SMMP-Podcast© 2026 Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel Sciences sociales Spiritualité
Épisodes
  • Freiheit hinter der Grenze – Schwester Pia Elisabeth über Kloster und DDR
    Sep 12 2026

    Was heißt Freiheit, wenn eine Grenze das Land teilt? Schwester Pia Elisabeth hat als junge Ordensfrau in der DDR gelebt und im Eichsfeld Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet. Im Gespräch erinnert sie sich an Freunde, die „schwarz über die grüne Grenze" gingen, und an ihren ersten Besuch in einer Ausbildungsstätte im Westen – ein Moment, der sie fast zum Weinen brachte, nicht aus Neid, sondern aus Hilflosigkeit. Und doch sagt sie über diese Jahre: „Wir haben eine herrliche Freiheit." Warum Kirche und Orden ihr mehr Freiheit gaben als vielen anderen, erzählt sie in der siebten Folge von „Postels Stimmen".

    Schwester Pia Elisabeth erinnert sich an ihr Leben als Ordensfrau in der DDR

    Der Rundgang war zu Ende, da kämpfte Schwester Pia Elisabeth mit den Tränen. Zum ersten Mal stand sie in einem großen Ausbildungsbetrieb im Westen, in Xanten. „Da stand mir das Heulen sehr im Gesicht", erinnert sie sich. „Nicht aus Neid oder so, aber einfach aus Hilflosigkeit." Zu Hause in der DDR hieß es, mit wenig oder mit nichts zurechtzukommen. „Und hier ist alles da. Das war einfach ein Schock."

    Im Podcast „Postels Stimmen" erzählt Schwester Pia Elisabeth von diesen Jahren. Es ist die Geschichte einer Grenze – und die einer Freiheit, die viele hinter dieser Grenze nicht hatten.

    Als Kind war die Teilung weit weg

    Aufgewachsen ist Schwester Pia Elisabeth im Eichsfeld. Politik interessierte sie lange nicht. „So dumm haben wir dahergelebt, bis wir mitkriegten, es geht nicht so." Erst mit 15, 20 Jahren begann sie zu fragen, was die Teilung des Landes für ihr Leben bedeutete. In der Familie gab es keine Westbesuche. „Die waren alle bodenständige Eichsfelder."

    Mit dem Eintritt ins Kloster wurde die Grenze greifbarer. Einige gingen weg, „schwarz über die grüne Grenze", wie man damals sagte. Wenn die besten Freunde wegblieben, schmerzte das. „Das hat uns dann schon berührt."

    Ausbildung ohne Anerkennung

    Die Schwestern bildeten junge Menschen aus dem ganzen Land aus. Wer seine Kinder in eine christliche Ausbildungsstätte schicken wollte, fand sie bei ihnen. Nur: Anerkannt war diese Ausbildung nicht. Den Absolventinnen und Absolventen konnten die Schwestern zunächst nur eine kirchliche Bescheinigung mitgeben – in der Hoffnung, dass sie im Westen oder später einmal zählen würde.

    Diese Hoffnung erfüllte sich. Gegen Ende der DDR-Zeit erhielten die Einrichtungen die schulische Anerkennung, und mit ihr konnten die Schwestern auch ihre Absolventinnen und Absolventen anerkennen. Dann kehrte sich die Lage um. „Wir waren nicht anerkannt. Uns gab es nicht. Und plötzlich gab es uns in einer Menge Arbeit." Der Staat schickte Erzieherinnen und Erzieher zur Nachschulung. Manche staatlich Ausgebildete wurden erst anerkannt, weil sie von den Schwestern die Papiere bekamen.

    Nach der Wende ging es schnell. In weniger als einem Jahr hatten die Einrichtungen die bundesweite staatliche Anerkennung. Es kostete mehrere Fahrten nach Berlin. „Wir waren stolz, dass wir in ganz früher Zeit der Wende die staatliche Anerkennung bundesweit hatten."

    Kirche hielt den Rücken frei

    Trotz allem blickt Schwester Pia Elisabeth ohne Bitterkeit zurück. Der kirchliche Dienst, verantwortet von der Caritas und letztlich vom Bistum, gab den Schwestern einen Halt, den andere nicht kannten. „Wir hatten keinen Zwang, sondern, glaube ich, einen Fußboden, auf dem wir stehen." Gab es Schwierigkeiten in den Einrichtungen, schaltete sich sofort Erfurt ein. „Und das entlastet natürlich."

    Wer im Staat arb...

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    24 min
  • „Du hast mein Bild von den Deutschen verändert"
    Aug 8 2026

    Vier Jahre baute Schwester Theresita Maria in der Normandie am Haus des Friedens mit – dort, wo der Orden seinen Ursprung hat

    „Die Deutschen haben meinen Vater deportiert und ermordet." Mit diesem Satz empfing ein älterer Pater Schwester Theresita Maria, als sie sich kurz vor Weihnachten zur Beichte vorstellte. Sie war erst wenige Wochen in Sainte-Mère-Église, dem ersten Dorf, das die Alliierten am 6. Juni 1944 auf dem französischen Festland befreiten. Solche Begegnungen erlebte sie öfter. „Man ist es eigentlich nicht gewöhnt, als Deutsche so missachtet zu werden", erzählt sie im SMMP-Podcast „Postels Stimmen".

    2011 ging die Ordensfrau für vier Jahre in die Normandie. Sie lebte bis dahin in Heiligenstadt und fühlte sich dort wohl. Dann fragte ihre damalige Generaloberin, Schwester Aloisia, ob sie sich Frankreich vorstellen könne. Eine Woche durfte sie überlegen und beten. „Ja, warum nicht?", sagte sie. Ihr Schulfranzösisch kramte sie aus den hintersten Winkeln ihres Gehirns hervor.

    Ein Haus, von den Nachbarn getauft

    Die Idee kam vom damaligen Bischof der Diözese Coutances zusammen mit der französischen Ordensoberenkonferenz. In Sainte-Mère-Église herrscht bis heute eine Art Kriegstourismus. 14.000 Fallschirmjäger landeten hier in der Nacht zum 6. Juni 1944, am frühen Morgen folgten die Schiffe. Das Ereignis wird groß zelebriert – die Amerikaner als Helden, die Deutschen als Aggressoren. Dem wollte der Bischof etwas entgegensetzen: ein Friedenszentrum.

    Drei Ordensschwestern sollten das Haus tragen, jede für ein Land. Eine Französin, eine Amerikanerin als Vertreterin der Befreier und eine Deutsche als Vertreterin der Aggressoren. Weil der Orden der Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel seine Wurzeln in der Region hat – gegründet in der Hafenstadt Cherbourg –, kannte der Bischof die französischen Schwestern. Von ihnen, sagte er, könne er sich eine deutsche Schwester vorstellen.

    Pfarrei, Bistum und Konferenz kauften ein Haus, drei Meter hinter der Kirche. Den Namen gaben nicht die Schwestern. „Wir haben uns das Wochenende den Kopf zerbrochen", erzählt Theresita Maria. Dann sprachen die Leute aus dem 1.600-Einwohner-Dorf einfach vom „Maison de la Paix", vom Haus des Friedens. Der Name blieb.

    Vom Krieg umgeben

    Die Kirche von Sainte-Mère-Église gehört zu den meistbesuchten Orten im Dorf. Am Turm hängt die Nachbildung eines Fallschirmjägers, der bei der Landung dort hängen blieb. Gegenüber liegt das amerikanische Airborne Museum. In den Geschäften verkaufen Händler Helme mit echtem Einschussloch. Rund 500.000 Touristen kommen jedes Jahr, vor allem zu den Feiern um den 6. Juni. 2024 jährte sich die Landung zum 80. Mal. Noch immer reisen Veteranen an, viele im Rollstuhl, fast hundert Jahre alt.

    Mitten in diesem Betrieb wollten die Schwestern einen anderen Ort schaffen: für Stille, Nachdenken, Versöhnung. Eine baufällige Scheune vor dem Haus sollte zum Friedenszentrum werden. In ihrer Zeit gelang das nicht. Heute steht dort die umgebaute „Grange de la Paix", die Friedensscheune, mit eigenem Eingang von der Straße.

    Aus Ablehnung wird Vertrauen

    Die Ablehnung wich langsam. Nach gut zwei Jahren brachte ein alter Bauer namens Marcel wie immer Calvados und Cidre vorbei. Im Flur sagte er zum Neffen einer Mitschwester: „Wissen Sie, das war ja nicht leicht, eine Deutsche hier bei uns zu haben. Aber mittlerweile haben wir uns dran gewöhnt." Böse meinte er es nicht. Fuhr Theresita Maria nach Deutschland, drückte er ihr eine Flasche Calvados in die Hand.

    Bald erzählten die Leute auch Gutes. Eine alte Dame berichtete von der Besatzungszeit. Ein junger deutscher Soldat klopfte an die Tür und wollte Milch. Sie kam mit ihrem Baby die Treppe herunter. Der Soldat nahm das Kind in den Arm, ihm kamen die Tränen, und er sagte in...

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    27 min
  • „Kinder wollen ihre Eltern anders"
    Jul 11 2026

    Warum ein weinendes Baby beim Abendbrot manchmal weinen darf

    Im Julie-Postel-Haus in Bestwig leben Mütter und Väter mit ihren Kindern – meist nicht freiwillig, oft in einer akuten Krise. Leiterin Carina Schröer erklärt, warum ihr Team ein weinendes Kind häufig nicht selbst beruhigt, was „Entlastung durch Befähigung" im Alltag bedeutet und wann eine Hilfe für sie gelungen ist. Ein Gespräch über Nähe und Grenzen, über Erfolg, der sich schwer messen lässt – und über einen Satz, der Schröer geblieben ist: „Kinder wollen keine anderen Eltern. Die wollen ihre Eltern anders."

    „Kinder wollen ihre Eltern anders"

    Im Julie-Postel-Haus in Bestwig leben Mütter und Väter mit ihren Kindern – meist nicht freiwillig. Carina Schröer über eine Hilfe, die befähigt statt bevormundet.

    Beim gemeinsamen Abendbrot wacht ein Baby auf und weint. Maja ist drei Monate alt, ihre Mutter wollte gerade in Ruhe essen. Der erste Impuls bei allen am Tisch: aufstehen, das Kind beruhigen, der Mutter den Abend retten. Im Julie-Postel-Haus geschieht das nicht.

    So schildert Carina Schröer, Leiterin des Julie-Postel-Hauses, eine typische Szene aus ihrem Alltag. „Wir tun das nicht […], weil wir die Mama in ihrer Mutterrolle stärken wollen", sagt sie. Die Mutter soll lernen, die Zeichen ihres Kindes zu erkennen und selbst darauf zu reagieren. Ihr Prinzip fasst Schröer in drei Worten: „Entlastung durch Befähigung".

    Eine Einrichtung für Eltern und Kinder

    Das Julie-Postel-Haus in Bestwig ist die einzige Jugendhilfeeinrichtung von SMMP. Ihr Schwerpunkt ist die Elternarbeit. Hier leben Mütter und Väter mit ihren Kindern, bis zu 30 Menschen gleichzeitig. Jede Familie hat eine kleine Wohneinheit mit Elternschlafzimmer, Kinderzimmer und Bad. Dazu kommen Gemeinschaftsküchen und Aufenthaltsräume.

    Die meisten Familien kommen über das Jugendamt – oft in einer akuten Krise. „Also die wenigsten schreien Juhu, wenn sie bei uns einziehen", sagt Schröer. Die Gründe sind unterschiedlich: eine desolate Wohnung, psychische Erkrankungen, manchmal eine Sucht. Akut konsumierende Eltern nimmt das Haus nicht auf. Nach einer Entgiftung oder in der Substitution ist eine Aufnahme möglich.

    Manchmal kommt der Anruf direkt aus dem Krankenhaus, wenn eine Mutter entbunden hat und die Versorgung des Kindes unsicher erscheint. Solche frühen Aufnahmen sind Schröer am liebsten, weil sich dann vieles gemeinsam erarbeiten lasse. Nicht jede Anfrage nimmt das Haus an. Eine Familie mit sechs Kindern könne sie räumlich nicht unterbringen. Dann lehnt sie ab. „Auch das hat was mit Qualität zu tun, Hilfen dann abzulehnen."

    Anleiten statt übernehmen

    Jede Alltagssituation ist für Schröer eine Lernsituation. Das Team leitet an, fragt nach, coacht. Es übernimmt erst, wenn eine Mutter darum bittet – oder wenn das Wohl des Kindes anders nicht zu sichern ist.

    Das Ziel ist, sich selbst überflüssig zu machen. Das größte Kompliment sei deshalb ein scheinbar paradoxer Satz: Eltern, die sagen, „boah, ich habe gar keine Hilfe gekriegt". Dann, sagt Schröer, habe die Idee von Hilfestellung funktioniert.

    Bei den Mahlzeiten sitzen alle Eltern zusammen, ob 15 oder 45 Jahre alt. So sollen sie sich in ihrer Elternrolle wahrgenommen fühlen, nicht über ihr Alter. Ein Gefälle bleibe trotzdem, räumt Schröer ein. Am Ende trägt die Einrichtung die Verantwortung für das Kind.

    Was Erfolg bedeutet

    „Ich glaube, dass Erfolg relativ i...

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    30 min
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