Wenn das eigene Kind in Haft ist: Eine Mutter über JVA, Ohnmacht und Hoffnung
Was passiert mit einer Familie, wenn der Sohn mit 18 Jahren inhaftiert wird? In dieser Folge von Mitbestraft, dem Podcast der Straffälligenhilfe des SKM Freiburg, erzählt Frau B. eindrücklich vom Leben als Angehörige eines Inhaftierten. Es geht um Untersuchungshaft, Jugendstrafvollzug in Bayern, Besuchszeiten, Briefe, fehlende Arbeit in der JVA, psychische Belastung, Schuldgefühle und die Frage, wie Resozialisierung gelingen soll, wenn junge Menschen 22 Stunden am Tag eingeschlossen sind. Die Folge zeigt, wie wichtig Kontakt, Selbsthilfegruppen und ehrlicher Austausch für Eltern inhaftierter Kinder sind.
Frau B.: Eine Mutter zwischen Gefängnistor und Familienalltag
Frau B. ist die Mutter eines jungen Mannes, der mit 18 Jahren inhaftiert wurde und mittlerweile seit zwei Jahren in Haft ist. Ihr Sohn wurde nach Jugendstrafrecht zu dreieinhalb Jahren verurteilt und war in mehreren Justizvollzugsanstalten untergebracht, zunächst in Untersuchungshaft, später in einer Jugendstrafanstalt und anschließend in einer JVA für junge Heranwachsende. Im Gespräch beschreibt sie offen, wie sie als Mutter mit Unsicherheit, Scham, Hilflosigkeit und der Sorge um die Zukunft ihres Sohnes umgeht.
Haftalltag zwischen Trennscheibe, Briefen und 22 Stunden Einschluss
Besonders eindrücklich schildert Frau B., wie stark die Regeln im Strafvollzug von JVA zu JVA variieren: Besuchszeiten, Sicherheitskontrollen, Briefabgabe und Telefonate sind unterschiedlich geregelt und oft schwer nachvollziehbar. Ihr Sohn hat aktuell keine Arbeit und kaum Beschäftigungsmöglichkeiten. Er verbringt nach ihrer Schilderung 22 Stunden täglich in der Zelle, hat eine Stunde Hofgang und eine Stunde Aufschluss. Von Ausbildung, Therapie oder Antiaggressionstraining, die bei Gericht erwähnt wurden, sei bisher kaum etwas umgesetzt worden. Frau B. beschreibt deshalb einen bitteren Widerspruch zwischen dem Anspruch der Resozialisierung und dem tatsächlichen Haftalltag.
Sätze, die hängen bleiben
Ein zentraler Satz dieser Folge lautet: "Wir sind eines Besseren belehrt worden." Frau B. beschreibt damit, wie sehr sich ihr Bild von Gefängnis, JVA und Resozialisierung verändert hat. Besonders berührend ist auch die Aussage ihres Sohnes zu den Schuldgefühlen der Eltern: "Ihr habt alles richtig gemacht, ich bin verkehrt abgebogen." Für Frau B. ist dieser Satz wichtig, weil er Verantwortung übernimmt und zugleich den Eltern ein Stück Last nimmt. Ihr Rat an andere Angehörige lautet: "Nicht verzweifeln. Es geht weiter." Und ebenso klar sagt sie: "Wir können nicht für unsere Angehörigen da sein, wenn wir selber daran zerbrechen."
Was Angehörigen in dieser Situation helfen kann
Frau B. betont, wie wertvoll der Austausch mit anderen betroffenen Eltern ist. Sie fand Unterstützung bei einer Selbsthilfegruppe für Eltern von inhaftierten Kindern. Dort geht es um praktische Fragen zu Besuch, JVA-Regeln, Kontaktmöglichkeiten und um die emotionale Belastung, die Angehörige von Inhaftierten oft allein tragen. Die Folge macht deutlich: Offenheit kann Scham abbauen, das Thema Gefängnis stärker in die Gesellschaft tragen und anderen Betroffenen Mut machen, sich Hilfe zu suchen.
Erwähnte Anlaufstellen und Verweise
1. Treffpunkt e.V. Nürnberg: Beratungsstelle mit Angeboten für Angehörige von Inhaftierten und einer Selbsthilfegruppe für Eltern inhaftierter Kinder, auch mit Online-Teilnahme.
2. Homepages der jeweiligen JVAs: Dort finden Angehörige häufig Informationen zu Besuchsregelungen, Besuchszeiten und Sicherheitsvorgaben. Frau B. weist jedoch darauf hin, dass Nachfragen oft notwendig ist.
3. SKM Freiburg, Straffälligenhilfe: Herausgeber des Podcasts Mitbestraft.
4. Kontakt zum Podcast: Rückmeldungen und Fragen zur Folge per E-Mail an podcast@skm-freiburg.de.
5. Podcast abonnieren: Wer keine Folge von Mitbestraft verpassen möchte, kann den Podcast-Kanal abonnieren.