Épisodes

  • Kunst, Kitsch und Kraftfelder: Kann eine Kunstfigur authentisch sein?
    Jan 22 2026

    In der letzten Folge ging es um das Plantschbecken der Authentizität. Heute springen wir eine Ebene tiefer: Wie passt das eigentlich zusammen, wenn man – so wie ich – eine Kunstfigur erschaffen hat? Kann Ian DeBay überhaupt echt sein, oder ist das alles nur ein künstliches Konstrukt in einem dunklen Kämmerchen?

    Die Angst vor dem „K-Wort“

    Eines vorweg: Ich bezeichne das, was ich hier mache, nicht als Kunst. Ein ehemaliger Kollege sagte mal: „Kunst ist, was Scheiße ist.“ Aber selbst das trifft es nicht ganz. Das Wort „Kunst“ ist mir zu groß, zu überwältigend. Es macht mir Angst.

    Während andere sich mutig Künstler nennen, habe ich es nur zum Content Creator geschafft (und das nicht mal bei Humboldt). Um mich zu schützen, habe ich Ian DeBay erschaffen. Ein Alias, ein Schutzschild, eine Maske.

    Warum Ian DeBay existiert

    Warum ein Pseudonym? Ganz einfach:

    • Schutz: Das Internet ist kein Streichelzoo. Ein Alias fängt den Hass ab, bevor er mein echtes Ich erreicht.
    • Freiheit: Als Ian DeBay kann ich Dinge sagen, die ich mich im „echten“ Leben vielleicht nicht trauen würde (obwohl ich dort noch viel schlimmere Dinge tue).

    Aber die Frage bleibt: Wenn Ian DeBay eine Erfindung ist, ist er dann unauthentisch?

    Das künstliche Gespräch in der dunklen Kammer

    Hier sitzen wir nun. Ich in meiner dunklen Kammer, allein mit dem Mikrofon, und stelle mir dich vor. (Du siehst übrigens verdammt gut aus heute!)

    Eigentlich ist diese Situation hier – so künstlich sie auch sein mag – viel authentischer als ein Treffen im echten Leben. Warum? Weil ich im realen Leben viel zu schüchtern wäre. Ich würde unpassend lachen, Plattitüden von mir geben und beschämt auf den Boden schauen.

    In diesem künstlichen Raum hier habe ich mir einen Kokon gebaut. Mikrofon, Schnittprogramm, Firewall. Alles schützt mich vor dir. Und genau dieser Schutz erlaubt es mir, mein wahres Ich zu zeigen – inklusive der dunklen Facetten und der Tatsache, dass ich eigentlich ein „kleiner perverser Sack“ bin, der versucht, sein Inneres zu verstecken.

    Ritterrüstung vs. Enterprise-Schutzschild

    Authentisch zu sein bedeutet, sein Schutzschild herunterzufahren. Aber es gibt verschiedene Arten von Schilden:

    1. Die Ritterrüstung: Schweres Eisen, man sieht kaum noch, wer darin steckt. Das ist die klassische Verstellung.
    2. Das Enterprise-Kraftfeld: Das ist die Kunstfigur. Man sieht alles, man erkennt den Captain, aber die Laserstrahlen der Bösen prallen einfach ab.

    Die Kunstfigur Ian DeBay ist mein unsichtbares Kraftfeld. Sie hilft mir, echt zu sein, ohne dabei völlig schutzlos zu verbrennen.

    Links & Hinweise

    YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@comedIAN_DeBay Abonniere meinen Newsletter: https://steady.page/iandebay/newsletter/sign_up E-Mail für Theorien, warum Frauen große Autos fahren: comedian@iandebay.com Podcast-Startseite: https://iandebay.com/die-zu-spaet-show

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    15 min
  • Auf der Suche nach Authentizität
    Jan 15 2026

    Authentizität. Ein Wort, so abgenutzt wie die Absätze meiner Lieblingsschuhe. Jeder ist es, jeder will es, und am Ende fühlt es sich oft nur noch nach einer weiteren Marketing-Floskel an. In dieser Episode gehe ich der Frage nach, warum „authentisch wirken“ der größte Fehler meiner bisherigen Content-Reise war – und warum ich eigentlich gar nicht Ian DeBay heiße.

    Das Problem mit dem A-Wort

    Wenn man die KI fragt, klingt alles ganz wunderbar: „Authentizität bedeutet Echtheit, Glaubwürdigkeit und Unverfälschtheit.“ Griechisch: authentikós. Super.

    Aber seien wir ehrlich: In der Welt von Influencern und Marken hat das Wort einen schalen Beigeschmack bekommen. Es wird inflationär gebraucht, bis es seine Bedeutung verliert. Für mich fühlt sich das Wort „Authentizität“ im Marketing-Kontext oft so an, als würde ich mich in einem Plantschbecken voller Kotze baden wollen. Keine schöne Vorstellung, oder?

    Trotzdem kam ich am 7. Jänner – dem Tag, an dem für Eltern das Jahr mit dem Schulstart der Kinder erst richtig beginnt – nicht drum herum.

    Vom Größenwahn zur Panik

    Nachdem die Ruhe eingekehrt war, saß ich an meiner Jahresplanung. Visionen, Ziele, das ganze Programm. Keine Sorge, das hier wird kein Optimierungspodcast für Lifestyle-Coaches. Aber ohne konkrete Ziele mäandere ich durch den Tag, bis das Mäandern zum Stillstand wird.

    Dabei passierte Folgendes:

    • Schritt 1: Ich setzte mir gigantische, größenwahnsinnige Ziele.
    • Schritt 2: Ich bekam Panik vor der eigenen Courage.
    • Schritt 3: Ich ruderte zurück zu „realistischen“ Zielen.
    • Schritt 4: Ich plante Content für YouTube und diesen Podcast.

    Und genau da setzten die Zweifel ein. Ist das gut? Interessiert das jemanden? Oder wird das der nächste Flop in meiner noch jungen Selbstständigkeit?

    Der Klick-Moment im Bett

    Ich habe im letzten Jahr viel probiert: Blogs, Newsletter, verschiedene Kanäle. Nichts hat wirklich gezündet. Warum? Weil ich zu viel wollte und nicht klar war, wofür ich eigentlich stehe.

    Mitten in der Nacht zum 8. Jänner machte es Klick: Es fehlte die Authentizität.

    Zuerst ekelte mich der Gedanke an (siehe Plantschbecken), aber dann verstand ich meinen Denkfehler. Ich hatte versucht, Authentizität als Strategie zu nutzen. Ich wollte authentisch wirken, damit du mich magst, damit die Klicks kommen, damit der Erfolg einkehrt.

    Authentisch „wirken“ ist eine Lüge

    Wenn ich Authentizität nur spiele, bin ich wieder in einer Rolle. Egal, ob ich den „alten weißen Mann“ gebe, den Witze-Erzähler oder den Typen, der auf Englisch moderiert – wenn es nur ein Werkzeug zum Erfolg ist, ist es nicht echt.

    Ich habe mich gefragt: Wer bin ich eigentlich?

    Die Antwort ist schmerzhaft: Ich weiß es oft selbst nicht genau. Ich bin Vater und Ehemann, ja. Ich bin Content Creator und Comedian. Aber Ian DeBay? Das ist ein Name, den ich mir gegeben habe. Ein Schutzschild. Mein echter Name ist ein anderer.

    Erfolg neu definieren

    Ich habe erkannt, dass ich Erfolg für mich neu definieren muss. Erfolg ist nicht (nur) die Zahl der Hörer oder das Geld auf dem Konto – auch wenn das nötig ist, um nicht auf der Straße zu landen.

    Wahrer Erfolg bedeutet für mich ab jetzt:

    1. Herauszufinden, wer ich wirklich bin.
    2. Ehrlich authentisch zu sein, statt es nur zu spielen.
    3. Mein Schutzschild zu senken, auch wenn es riskant ist.

    Es ist eine Reise, und diese...

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    16 min
  • Das ewige Kindsein: Warum die Boomer-Generation den Platz nicht räumt
    Jan 8 2026

    Sich über Boomer oder alte weiße Männer lustig zu machen, ist eigentlich ein alter Hut – fast so alt wie die Zielgruppe selbst. Das Thema ist im Grunde genommen „durch“, und das sage ich nicht nur, weil ich selbst langsam in die Riege der älteren Herren aufsteige. Wer mich kennt, weiß, dass ich auf YouTube bereits genug Material dazu geliefert habe. Doch in dieser Folge der „Zu Spät Show“ geht es nicht um bloßen Spott. Wir müssen über ein tieferliegendes Problem sprechen: Unsere Gesellschaft wird zu alt. Dass wir Krankheiten heilen und länger gesund bleiben, ist für das Individuum fantastisch, aber für das gesellschaftliche Gefüge gravierend. Wenn die Menschen immer älter werden, rückt die nächste Generation niemals nach. Wir haben heute 50- oder 60-Jährige, die faktisch immer noch das „Kind von jemandem“ sind, weil die Eltern ihre Posten und ihre Verantwortung nicht aufgeben.

    Wenn Erben zur einzigen Karriereoption wird

    Das Resultat dieser Entwicklung ist eine bizarre Verzögerung der Reife. Wer erst mit 60 wirklich Verantwortung übernehmen kann, weil die Eltern erst dann das Zeitliche segnen, ist zu diesem Zeitpunkt oft schon selbst auf dem Sprung in die Pension. Wir haben eine Generation von „alten Weisen“, die nie die Chance hatten, aktiv und gestaltend am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, bevor sie selbst zum Kostenpunkt im Budget wurden. Sie übernehmen die Verantwortung über das Erbe oder politische Rollen zu einem Zeitpunkt, an dem sie eigentlich schon den Leichenschmaus planen sollten. Diese Überzeichnung hat einen wahren Kern: Die Posten bleiben besetzt, die Jungen können nicht nachrücken, und die Gesellschaft erstarrt in einer Warteposition auf das Unvermeidliche.

    Das demokratische Dilemma der grauen Mehrheit

    Dazu kommt ein massives demokratisches Problem. Da die ältere Generation zahlenmäßig überlegen ist, besitzt sie ein politisches Gewicht, das jede Veränderung im Keim ersticken kann. In einer Demokratie, in der die Stimmstärksten bestimmen, wird niemals gegen die Interessen der Alten entschieden. Die Konsequenzen dieses Stillstands müssen jedoch die wenigen Jungen ausbaden, die es noch gibt. Satirisch könnte man jetzt fordern, mit 75 den Stecker zu ziehen – ein Gedanke, der uns zwar Milliarden sparen würde, aber leider an diesen lästigen Menschenrechten scheitert. Auch die Idee, alle über 75 auf eine warme Insel auszulagern – eine Art „Australien für Senioren“ –, wird bereits von vielen freiwillig in Thailand oder auf Gran Canaria praktiziert. Doch solange die Briefwahl existiert, regieren sie aus dem Liegestuhl heraus munter weiter in die Zukunft derer hinein, die noch Jahrzehnte vor sich haben.

    Wahlrecht mit Ablaufdatum: Ein Ausweg aus der Sackgasse?

    Vielleicht ist die Lösung nicht das Ende des Lebens, sondern das Ende des Stimmrechts. Wenn wir sagen, dass man erst ab 16 oder 18 reif genug zum Wählen ist, warum sagen wir nicht auch, dass ab 75 Schluss ist? Wenn der Mensch sich biologisch gesehen wieder zum Kind entwickelt, die Orientierung verliert und nur noch Breinahrung zu sich nimmt, warum sollte er dann über die Klimapolitik des nächsten Jahrhunderts entscheiden? Es ist unwahrscheinlich, dass die Jungen es besser machen würden – sie würden vermutlich einen ganz anderen „Schaß“ wählen –, aber sie wären wenigstens selbst schuld daran. Doch in einer Gesellschaft, in der die Alten die Mehrheit stellen, wird sich niemand selbst entmachten. So bleibt uns wohl nichts anderes übrig, als auf den biologischen Wechsel zu warten. Ein optimistischer Einstieg in die Zukunft sieht anders aus, aber bis dahin heißt es wohl: Abwarten, Tee trinken und hoffen, dass man die Verantwortung nicht erst dann bekommt, wenn man sie selbst nicht mehr buchstabieren kann.

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  • Geld verbrennen für Fortgeschrittene: Die absurde Logik der Silvester-Knallerei
    Jan 1 2026

    In den langen, dunklen Nächten des Winters gibt es ein Phänomen, das die Menschheit wie kaum ein anderes spaltet und gleichzeitig eint: der Böller. Man könnte meinen, wir hätten uns endlich auf etwas geeinigt. Egal ob jung oder alt, links oder rechts, Mensch oder Haustier – wir alle hassen diese lärmenden Sprengkörper. Doch die Realität auf den Straßen von Oktober bis März straft diese Annahme Lügen. Offensichtlich gibt es eine treue Fangemeinde, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die nächtliche Ruhe mit einer Mischung aus Tinnitus-Gefahr und Feinstaub-Aroma zu bereichern. Dabei beweisen diese „Pyrotechniker des Alltags“ oft eine bemerkenswerte Kreativität bei der Wahl ihrer Einsatzorte.

    Vom Krach in der Gasse zur Erleuchtung im Mistkübel

    Ob Unterführungen, enge Gassen oder der klassische Mistkübel – Hauptsache, der Effekt ist maximal destruktiv. Dass dabei der Müll wie ein modernes Kunstprojekt an den Hauswänden landet oder manch eine Wohnung durch einen „netten“ Querschläger Heizkosten spart, scheint ein kollateraler Bonus zu sein. In der Unterführung hat das Ganze sogar einen fast schon sozialen Aspekt: Wenn dort ein Böller explodiert, gibt es zumindest einen kurzen Moment der Erleuchtung. Man kann plötzlich Dinge erkennen, wie etwa den zwielichtigen Schatten hinter einem, den man zwar nicht mehr hören kann, weil einem die Ohren klingeln, aber den man der Polizei wenigstens präzise beschreiben könnte – sofern die Beamten nicht gerade selbst damit beschäftigt sind, die Böllerschmeißer mit Nachschub zu beobachten.

    Umweltschutz durch Beton und die Millionen im Schwarzpulver

    Warum wir Böller eigentlich hassen, muss man niemandem erklären, der schon einmal versucht hat, am Neujahrsmorgen tief durchzuatmen. Wir betonieren unsere Umwelt zu, um sie zu schützen, und lassen dann zu, dass Asche und Lärm unsere Lungen und Gehörgänge füllen. Doch der wahre Preis ist nicht nur ökologisch. Es sind die traumatisierten Hunde, die sich in den hintersten Ecken verkriechen, die schreienden Kinder und die Kriegsflüchtlinge, für die jeder Knall eine Reise zurück in den Horror ihrer Heimat bedeutet. Während der Opa Angst hat, dass die Russen wiederkommen, scheint sich die junge Generation mit jedem Böllerwurf fast schon prophetisch auf eine Zukunft vorzubereiten, in der Krach und Asche zum Alltag gehören. Es ist ein bizarrer Millionen-Wahnsinn: Wir verpulvern gigantische Summen in einer einzigen Nacht, nur um uns am nächsten Morgen über die Teuerung zu beschweren.

    Die Suche nach dem Drogendealer und der Plan zur totalen Uncoolness

    Man fragt sich unweigerlich, woher die Jugendlichen eigentlich das ganze Geld für diese explosiven Luxusgüter nehmen. Da nicht jeder Halbstarke ein erfolgreiches Business als Drogendealer führen kann – ich habe das überprüft, die Marktdichte ist überraschend gering –, bleibt die Herkunft der Mittel ein Rätsel. Vielleicht liegt der Reiz auch in der Gefahr der Billigimporte aus dem Internet. Ein zerfetzter Finger gibt schließlich ordentlich Klicks auf TikTok. Ich kann diese Jugendlichen sogar ein Stück weit verstehen. Früher war ich selbst einer von ihnen. Wir fühlten uns mächtig, wenn es knallte, und wir wussten schlichtweg nichts über die Umweltfolgen. Aber sollten die heutigen Erziehungsberechtigten nicht eigentlich schlauer sein? Verbote bringen herzlich wenig. Die einzige Lösung wäre, das Böllern radikal uncool zu machen. Wir, die ältere Generation, müssten anfangen, so richtig peinlich und exzessiv zu knallen, bis die Jugendlichen vor Scham nur noch heimlich in ihren Zimmern zündeln.

    Die Raketen-Heuchelei der Dachterrassen-Elite

    Doch während wir über Böller schimpfen, pflegen wir bei Raketen eine bizarre Doppelmoral. Raketen sind zwar genauso laut, umweltschädlich und gefährlich, aber sie sind halt „schön anzuschauen“. Da ste...

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    15 min
  • Weihnachten ist der Horror: Familienfeste zwischen Stress und Konsumzwang
    Dec 25 2025

    Eines vorweg, um die Gemüter zu beruhigen und die Anwälte der Familienwerte in Schach zu halten: Ich liebe meine Familie. Ich verbringe gerne Zeit mit ihr und ich feiere im Grunde auch gerne Weihnachten. Dieser Disclaimer ist wichtig, damit im Laufe dieser Analyse nicht der Eindruck entsteht, ich sei ein einsamer Grinch, der im Keller hockt und Lametta verbrennt. Doch machen wir uns ehrlich: Weihnachten ist furchtbar. Es ist der pure Horror, ein logistischer Albtraum und purer Stress. Während das Fest an sich – entkoppelt von jedem religiösen Zwang – ein schönes traditionelles Familienfest sein könnte, zerfällt der Zauber der Kindheit mit jedem Jahr, in dem man älter wird, ein Stück mehr. Die Magie weicht der harten Arbeit, und plötzlich merkt man, dass der Tisch sich eben nicht von selbst mit Braten und Dekoration füllt.

    Die Illusion der Ruhe im kapitalistischen Mühlenrad

    Das Grundproblem beginnt bei der künstlichen Erhöhung dieses einen Datums. Wir werden darauf trainiert, auf diesen einen Tag hinzufebern – unterstützt durch Adventkalender, die uns täglich die verbleibende Zeit bis zum Eskalationspunkt vor Augen führen. Als Erwachsener weicht die Vorfreude jedoch oft dem puren Druck. In der Arbeitswelt müssen vor den Feiertagen noch schnell alle Projekte abgeschlossen werden, als gäbe es nach den zwei freien Tagen keine Zukunft mehr. Man gerät mitten in die Mühlen des Kapitalismus, nur um sich danach in die nächste Arbeit zu stürzen: Die Vorbereitung des Festes. Dass ich mich als Mann hier leicht rede, ist mir bewusst, denn den Löwenanteil dieser Vorbereitung – vom Geschenkekauf bis zum Küchendienst – leisten immer noch überwiegend die Frauen, während der männliche Teil der Verwandtschaft oft schon den ersten Weihnachtsbrand auf dem Sofa kultiviert.

    Der Geschenkfluch: Warum wir Klemmbausteine einzeln verpacken

    Ein besonderes Kapitel des Wahnsinns sind die Geschenke. Wir alle wissen, dass das Christkind eine Lüge war, doch anstatt als Erwachsene ehrlich miteinander zu sein, verstricken wir uns in absurde Rituale. Wer kennt es nicht? Man macht aus, sich nichts zu schenken, nur um dann sicherheitshalber doch ein „Angstgeschenk“ im Schrank zu verstecken, falls die Gegenseite sich nicht an die Abmachung hält. Das Ergebnis ist oft ein Kreislauf aus minderwertigem Plunder, den man im nächsten Jahr frustriert zurückschenkt. Bei den Kindern hingegen fährt die Eisenbahn drüber: Da gibt es keine Ausnahme. Aus schierer Angst vor dem weihnachtlichen Zorn des Nachwuchses greift man zu verzweifelten Mitteln. Um die Erwartung nach „vielen Packerln“ zu erfüllen, verpackt man inzwischen schon jeden einzelnen Klemmbaustein eines Sets separat, nur damit der Berg unterm Baum groß genug ist und man selbst fünf Minuten Ruhe vor dem nächsten Aufstand hat.

    Familien-Hetze und das heilige Silvester-Bett

    Die wahre Prüfung ist jedoch die Familien-Logistik. Wer in einer Beziehung lebt oder Kinder hat, besitzt plötzlich Familien im Plural. Anstatt den Heiligabend gemütlich mit Bratwürsteln und schlechter Musik zu Hause ausklingen zu lassen, hetzt man von einer Feier zur nächsten. Man sitzt mit Menschen, die man kaum kennt, an wackeligen, provisorisch verlängerten Tischen und isst viel zu viel, obwohl die Oma hochheilig versprochen hatte, dieses Jahr „weniger zu machen“. Es ist ein eng getakteter Marathon der Höflichkeit, bei dem die Kinder still sein müssen, während die Erwachsenen sich den Bauch vollschlagen. Wenn der ganze Spuk vorbei ist, wartet jedoch die finale Ironie: Die Kinder haben Ferien, man selbst muss arbeiten, und die Großeltern sind so erschöpft vom Fest, dass sie als Betreuungspersonen für das nächste Jahr ausfallen. Kein Wunder, dass Silvester heute nicht mehr die Nacht der Partys ist, sondern der heilige Moment, in dem man um 22:00 Uhr das Licht ausmacht und einfach nur froh ist, dass es vorbei...

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    20 min
  • Die Christkind-Verschwörung: Warum wir unsere Kinder belügen
    Dec 18 2025

    Jeder frischgebackene Vater startet mit diesem einen, fast schon heiligen Vorsatz: „Ich werde mein Kind niemals anlügen.“ Wir malen uns aus, wie wir jede noch so komplexe Frage der Welt in kindgerechte Häppchen verpacken – ein bisschen Pipi-Kaka-Sprache hier, ein bisschen Gugugaga dort, aber im Kern bleibt es die reine Wahrheit. Doch dann kommt das Leben dazwischen. Spätestens, wenn man versucht, einem Vierjährigen den Klimawandel so ehrlich zu erklären, dass man sich kurz darauf im Wartezimmer eines Kinderpsychologen wiedersieht, merkt man: Die totale Ehrlichkeit ist vielleicht doch nicht der Weisheit letzter Schluss. Manchmal ist die Lüge einfach der bequemere Weg, um nicht ständig neue existenzielle Krisen am Abendbrottisch verhandeln zu müssen.

    Weihnachtstraditionen zwischen Magie und Notlüge

    Besonders in der Vorweihnachtszeit mutieren wir Eltern zu regelrechten Hochstaplern. Wir erschaffen ein riesiges, strukturelles Lügengebilde aus Nikoläusen, Krampusse, Weihnachtsmännern und Christkindern. Dabei stellt sich die fast schon ketzerische Frage, ob unsere Traditionen und Religionen eigentlich nur auf einem Fundament aus Flunkereien basieren. Wir erzählen uns selbst, dass wir das alles für die Kinder tun, für diesen magischen Glanz in ihren Augen. Aber wenn wir ehrlich sind, belügen wir sie für uns selbst. Es ist schlichtweg herzig anzusehen, wie sie ihre Wunschzettel schreiben – was uns nebenbei den Stress erspart, uns wirklich mit ihren Interessen auseinanderzusetzen. Wir brauchen die Lüge als Puffer, damit die Kinder nicht merken, dass es eigentlich nur wir sind, die ihnen etwas schenken wollen.

    Die dunkle Seite der pädagogischen Lügen

    Historisch gesehen hatte das Belügen der Kinder sogar einen noch dunkleren Beigeschmack. Früher, als Schrank und Magen leer blieben, war es einfacher zu sagen: „Du warst nicht brav genug, deshalb hat das Christkind nichts gebracht.“ Es war eine perfide Methode, den berechtigten Zorn über Armut und Ungerechtigkeit von den Eltern oder dem System weg und direkt in die kindliche Psyche umzuleiten. Heute sind die Gabentische zwar voll mit Plastik, aber die systemischen Lügen bleiben. Wir impfen unseren Kindern Sätze ein, wie „Alles wird gut“ oder „Du kannst werden, was du willst“. Dabei wissen wir genau: Ohne Erbe, Beziehungen oder das Glück der oberen 0,1 Prozent ist das schlichtweg Bullshit. Wir vermitteln ihnen ein Bild einer Gesellschaft, die auf Teilen und Rücksicht basiert, während wir sie gleichzeitig in ein System entlassen, in dem nur die lautesten Schreihälse und die rücksichtslosesten Egoisten wirklich gehört werden.

    Warum Ehrlichkeit in der Erziehung so schwierig ist

    Wir lügen sogar in ihren Bilderbüchern weiter. Auf dem illustrierten Bauernhof sind alle Tiere glücklich und leben in harmonischer Eintracht mit dem Bauern, bis wir ihnen schließlich das Schnitzel servieren, ohne jemals das Wort Schlachthaus zu erwähnen. Wir haben Angst, sie könnten Veganer werden, und verheimlichen deshalb, dass unsere Gesellschaft auf der Ausbeutung von Lebewesen fußt. Wir lügen, weil wir überfordert sind, weil wir das System selbst nicht ändern können und es deshalb wenigstens vor den Kindern schönfärben wollen. Doch Kinder sind stärker, als wir glauben. Sie vertragen die Wahrheit oft besser als wir Erwachsenen, die wir uns hinter Ironie und Zynismus verstecken. Vielleicht wäre es an der Zeit, ihnen zu sagen: Wir schenken dir etwas, weil wir dich lieben und weil du Teil unserer Familie bist – ganz ohne die Drohung eines unsichtbaren Wesens, das dich ständig beobachtet. Wir haben es vielleicht verkackt, aber geben wir unseren Kindern wenigstens das richtige, ehrliche Rüstzeug mit, um es besser zu machen.

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    18 min
  • Warum große Autos kleine Penisse bedeuten (und andere wissenschaftliche Erkenntnisse)
    Dec 11 2025

    In der dritten Folge der „Zu Spät Show" präsentiert Ian DeBay eine Service-Folge für all jene, die Männer sexuell attraktiv finden: Eine einfache Formel zur Vermeidung kleiner Schwänze. Die Formel? Je größer und lauter das Auto, desto kleiner der Johannes. Eine Studie, durchgeführt vom Forscher höchstpersönlich – an sich selbst. Methodisch einwandfrei.

    DAS PLATZPROBLEM – WENN STEHZEUGE DIE STADT FRESSEN

    Autos sind keine Fahrzeuge. Sie sind Stehzeuge. In Ian's Bezirk besitzt nur ein knappes Viertel der Menschen ein Auto – trotzdem werden fast zwei Drittel der öffentlichen Fläche für diese Blechtrümmer geopfert. Man greift sich auf den Kopf und fragt: Was soll der Scheiß?

    Besonders absurd wird es mit Kindern. Überall muss man "Stopp!", "Geh da nicht!", "Lauf dort nicht!" rufen. Der Platz für Menschen ist eingeschränkt, weil alles den Autos geopfert wird.

    SPIELPLÄTZE – SYMPTOM DES AUTOZENTRISMUS

    Früher konnten Kinder einfach raus auf die Straße und spielen. Mit den Ratten. Eine gute Zeit. Dann kamen die Autos und verdrängten das Leben in eingezäunte Lager namens "Spielplätze".

    Aber selbst dort sind die Autos invasiv: Schaukeln aus Autoreifen, Autoreifen in den Boden versenkt bei den Wippen. Erst verdrängen sie das Leben, konzentrieren es in Lagern – und dann machen sie sich auch dort breit, um Kindern das Gefühl zu lehren, wie es ist, unter die Räder zu kommen.

    DIE TEUERungsSPIRALE – WENN PARKPLÄTZE MEHR PLATZ BRAUCHEN ALS GESCHÄFTE

    Autos machen alles teurer. Die Fläche, die ein Parkplatz rund um ein Geschäft braucht, ist immer viel größer als das Gebäude selbst. Dazu kommen Werkstätten, Tankstellen und all der andere Autoscheiß. Platz, den man besser nutzen könnte – für günstigen Wohnraum zum Beispiel.

    Und weil wegen den Autos alles weit auseinander ist, gibt es keine Greißler ums Eck mehr. Alles nur noch in Malls außerhalb der Stadt, wo man nur mit dem Auto hinkommt. Kein Leben mehr im Grätzl. Alles ausgesaugt von diesen Vampiren, die sich Autos nennen.

    DAS WETTRÜSTEN – MAMAS PANZER FÜR DEN SCHULWEG

    Und die Autos werden immer größer. Schlussfolgerung? Die Penisse der Männer, die sie fahren, werden immer kleiner.

    Aber ja, auch Frauen fahren große Autos. Warum? Um ihre Kinder zu beschützen, natürlich. Je mehr große Autos unterwegs sind, muss man mitgehen. In einem kleinen Auto wird man von einem SUV sofort überrollt und zerquetscht.

    Ein Wettrüsten um immer größere Autos, damit man nur ja nicht selbst Opfer wird. Dass dadurch andere Kinder auf der Strecke bleiben oder man sie zur Strecke bringt? Egal. Hauptsache, die eigenen Kinder sind geschützt.

    DIE ISOLIERUNG – WENN DAS AUTO ZUR SOZIALEN KAPSEL WIRD

    Autos isolieren Menschen. Es gibt nur diese Welt im Auto und das draußen ist was anderes. Das Gefährliche. Das muss man bekämpfen, da muss man drüberfahren, Vollgas geben und ignorieren.

    Autos tragen zur Vereinsamung bei. Vor allem, wenn man in Siedlungen wohnt, wo es sonst nichts gibt, wo man mit niemandem sonst irgendwas zu tun hat – außer mit den Podcastern, die einem das eigene Weltbild bestärken.

    DIE ABHÄNGIGKEIT – GEFÄNGNIS AUF VIER RÄDERN

    Autowerbung verspricht Freiheit. Immer fährt nur das eine beworbene Auto durch die menschenleere Stadt. Keine anderen Autos. Keine Menschen. So stellen sich Autohersteller Städte vor.

    Die Realität? Abhängigkeit. Man wohnt in einer Siedlung, wo es sonst nichts gibt. Kein öffentlicher Verkehr. Die nächste Zivilisation 30 Kilometer entfernt. Wehe, das Auto ist kaputt. Wehe, man ist krank, verletzt oder zu alt zum Fahre...

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    20 min
  • Warum Christkindlmärkte die Vorhölle sind
    Dec 4 2025

    In der zweiten Folge der „Zu Spät Show“ widmet sich Ian DeBay einem saisonalen Mysterium: Warum tun sich Menschen freiwillig Christkindlmärkte an? Eine Frage, die ähnlich rätselhaft ist wie: Wer kauft diese Schokoladen-Werkzeuge? Und: Warum?

    DAS GEDRÄNGE – EIN SOZIALES EXPERIMENT IN ZWANGSNÄHE

    Christkindlmärkte sind voll. Unangenehm voll. Eine spontane Körpermassage von wildfremden Menschen, ohne Happy Ending. Ellbogen, Knie, fremde Atemluft – alles inklusive. Wer sich schon immer gefragt hat, wie sich ein Swingerclub ohne Einverständnis anfühlt: voilà.

    DAS GESÖFF – ZU TEUER, ZU SÜSS, ZU ALLEM

    Glühwein und Punsch – Getränke, die in den Magen schlagen. Voll mit den ungesündesten und billigsten Zutaten und trotzdem preislich irgendwo zwischen „unverschämt“ und „ich muss meinen Ältesten verkaufen“. Und das Essen? Sagen wir so: Wenn Liebe durch den Magen geht, dann ist der Christkindlmarkt eine toxische Beziehung.

    DIE KÄLTE – KLIMAWANDEL ALS EINZIGE HOFFNUNG

    Es ist draußen. Es ist kalt. Es ist ungemütlich. Warum in ein nettes Lokal gehen, wenn man es für mehr Geld schlechter haben kann. So sehnt man sich den Klimawandel herbei, damit man in Zukunft statt Jagatee Eistee trinken kann. Schmeckt auch besser.

    GESCHENKE – Der Beweis der eigenen Stillosigkeit

    Wer am Christkindlmarkt Geschenke kauft, hat drei Dinge: Zu viel Geld. Keinen Geschmack. Niemanden, den er mag. Von überteuerten Duftkerzen bis hin zu handgeschnitztem „Irgendwas“ aus China – alles ist dabei. Besonders beliebt: Dinge, die so lange herumstehen, bis Maden sie aus Mitleid entsorgen.

    KINDER – Der Endgegner

    Wer mit Kindern auf den Christkindlmarkt geht, hat sein Leben nicht mehr in den Griff. Sie laufen umher, verschwinden in der Menge und wollen alles haben.

    Stress, Kosten und Geschrei, was gibt es Besseres, um in weihnachtliche Stimmung zu kommen.

    TRADITION – ODER: EINMAL IM JAHR REICHT VÖLLIG

    Viele treffen dort Menschen, die sie den Rest des Jahres erfolgreich meiden. Doch im Dezember schlägt die Torschlusspanik zu: „Wenn wir uns nicht treffen, sind wir keine Freunde mehr!“ Spoiler: Eure Freundschaft ist wie die Karriere der A Capella-Sänger auf dem Christkindlmarkt: Gescheitert.

    FAZIT

    Christkindlmärkte sind der Abgrund, aber einer, in den jedes Jahr wieder Millionen freiwillig springen. Ich nicht. Ich bleibe drinnen, nehme Podcasts auf – und überlege höchstens, ob Glühwein schmeckt, wenn niemand zuschaut.

    Links & Hinweise

    YouTube-Kanal: https://www.youtube.com/@iandebay Abonniere meinen Newsletter: https://steady.page/iandebay/newsletter/sign_up Musik-Credit: „One Too Many Ghosts“ – PremiumBeat via Envato Elements Podcast-Startseite: https://iandebay.com/die-zu-spaet-show

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    12 min