Ein Interview über Bewusstsein, Strukturalismus und Künstliche Intelligenz
1. Viele Menschen erleben Bewusstsein als etwas Selbstverständliches. Sie hingegen untersuchen es mit einem strukturalistischen Ansatz.
• Warum ist es wichtig, Bewusstsein nicht einfach als gegeben hinzunehmen, sondern wissenschaftlich und philosophisch zu analysieren?
• Sie arbeiten an der Schnittstelle von Philosophie und Neurowissenschaften: Was können neuronale Aktivitätsmuster über Bewusstsein aussagen – und wo liegen ihre Grenzen?
2. In Ihrem Artikel „Exploring the role of structuralist methodology in the neuroscience of consciousness“ (2023) argumentieren Sie, dass Bewusstseinszustände nicht isoliert, sondern nur über relationale Strukturen verstanden werden können.
• Können Sie die Grundidee des strukturalistischen Ansatzes kurz erläutern? Was ist mit relationalen Strukturen gemeint, und wie versteht der Strukturenrealismus Bewusstsein?
• Wie erklären Sie den Begriff des „neuronalen Korrelats des Bewusstseins“ (NCC), und welchen Beitrag leistet der Strukturenrealismus zu seiner Identifikation?
• Inwiefern hilft dieser Ansatz, NCCs präziser zu bestimmen?
3. Klassische Kontrastanalysen stoßen oft an Grenzen, wenn subjektive Erfahrungen direkt mit neuronalen Aktivitäten verglichen werden. Sie schlagen stattdessen strukturalistische Methoden vor:
„Methodological structuralism … seeks to identify neural correlates of consciousness by mapping phenomenal similarity relations onto neural similarity relations.“
• Welche Vorteile bietet dieser Ansatz für die empirische Bewusstseinsforschung?
William James beschrieb Bewusstsein als die „Summe aller Erfahrungen“.
• Wie kann der Strukturenrealismus helfen, diese subjektive Dimension philosophisch fundiert und empirisch überprüfbar zu erfassen?
Zugleich schreiben Sie:
„Structuralism provides a comprehensive description of the neural encoding of content, but it is inadequate for fully explaining conscious experience.“
• Welche methodischen Herausforderungen ergeben sich bei der Quantifizierung struktureller Ähnlichkeiten zwischen Erleben und neuronalen Aktivitätsmustern?
4. Angesichts aktueller Fortschritte in KI und der Forschung an organoiden Mini-Gehirnen stellt sich die Frage nach Anwendungen strukturalistischer Bewusstseinsforschung in künstlichen Systemen. Ihr Ansatz ist besonders relevant für die „computational phenomenology“, die versucht, qualitative Erfahrungen formal zu modellieren:
„Contents could be processed in a silicon-based system and the consciousness of those contents in an artificial organoid.“
• Welche Perspektiven eröffnet Ihre Forschung für die Entwicklung von „artificial consciousness“, also Systemen, die Bewusstseinsstrukturen nicht nur simulieren, sondern nachvollziehen könnten?
5. In „Methodological structuralism and the two-factor approach“ (2025) kombinieren Sie den Strukturalismus mit einem Zwei-Faktor-Modell: Relationale Strukturen liefern den Inhalt, ein zweiter Faktor verleiht Bewusstsein.
„The crucial question … is whether the content encoded by DNNs could become conscious if a suitable consciousness-conferring factor interacted with it.“
• Wie kann dieses Modell helfen, künstliche Systeme zu entwickeln, die nicht nur Verhalten imitieren, sondern die Struktur bewusster Zustände abbilden?
• Ermöglicht Ihr Ansatz neue Kriterien, um zu beurteilen, ob eine KI wirklich bewusst ist oder lediglich bewusstseinsähnliches Verhalten zeigt?