Épisodes

  • Im Zugzwang♟️Europa zwischen Erstarrung und drittem China-Schock
    Jun 3 2026

    Es gibt Phasen, in denen jede Option ein Risiko ist und Stillstand das größte. Genau dort verorten Henning, Wilbert und Oliver die Lage Europas: im Zugzwang. Man muss ziehen, doch fast jeder Zug kann die Stellung verschlechtern. Aus dieser Diagnose entwickelt sich ein Gespräch, das von der Vorstandsetage bis zur Geopolitik reicht und unbequeme Fragen nicht ausspart.

    Die drei sprechen darüber, warum Governance weniger Bürokratie als Haltung ist, und warum Regulatorik wie der AI Act oder Right to Repair gleichzeitig bremst und Innovation erzwingt. Sie diskutieren, weshalb etablierte Anbieter ihre Geschäftsmodelle bequem aussitzen können, solange echter Wettbewerbsdruck fehlt und warum Langfristigkeit am Ende schneller macht als der politische Aktionismus im Vier-Jahres-Takt.

    Im Zentrum steht China: vom ersten Schock, von dem Deutschland noch profitierte, über den zweiten, der die Autoindustrie und das deutsche Selbstbild trifft, bis zum dritten, der sich bereits ankündigt. Daran knüpfen die verschenkten Souveränitätsprojekte an, von Galileo über GaiaX bis zum nächsten möglichen Ausverkauf beim Quantencomputing, ebenso die Lücke zwischen exzellenter Grundlagenforschung und ihrer Verwertung. Zum Schluss wird es grundsätzlich: Wie transaktional regieren die USA unter Trump, wie resilient ist eine im Wohlstand aufgewachsene Generation, und ist die Demokratie ein Scheinriese, der erst stark wird, wenn er muss?

    Worum es geht:

    • Governance als strategische Haltung statt Pflichtübung
    • Regulierung als Bremse und Taktgeber zugleich
    • Der dritte China-Schock und das schließende Reaktionsfenster
    • Nischenmärkte und Hidden Champions als deutsche DNA
    • Verschenkte digitale Souveränität und die fehlende Verwertung von Forschung
    • Trump, transaktionale Machtpolitik und die Zukunft der regelbasierten Ordnung
    • Resilienz, Demokratie und die Frage, wie stark Europa wirklich ist

    Eine Folge über fehlenden Mut, verpasste Entscheidungen und die Trümpfe, die Europa trotz allem noch in der Hand hält.

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    48 min
  • Die Scherben und der Schwarm 🏺 Warum 99 Prozent nicht sehen, was gerade passiert 👁️
    Apr 20 2026

    Henning, Wilbert und Oliver treffen sich nach kurzer Pause zu einer Bestandsaufnahme: zwischen politischer Ratlosigkeit, wirtschaftspolitischen Rückschritten und der unterschätzten Dynamik agentischer KI. Die Runde diskutiert, warum das aktuelle Entlastungspaket der Bundesregierung weder konjunkturell noch strukturell trägt, warum die eigentliche Disruption des Arbeitsmarktes erst ab Herbst 2026 im öffentlichen Bewusstsein ankommen dürfte und ob der westliche Kapitalismus in seiner heutigen Form überhaupt noch eine Antwort auf die kommende Automatisierungswelle hat.

    Besonders zugespitzt ist die Systemfrage: Während China in einer Mischung aus staatlicher Steuerung und skaliertem Kapitalismus ein überraschend robustes Modell entwickelt, droht Europa und insbesondere Deutschland ein verlorenes Trippeldrei-Jahre-Fenster. Die Debatte um Wertschöpfung jenseits klassischer Lohnarbeit mündet in Hennings Vorschlag eines neuen Begriffs: nicht Resilienz, sondern Transilienz, also die Fähigkeit, Stabilität und Transformation gleichzeitig zu leisten.

    Parallel zeichnen die drei den Alltag des Umbruchs nach: Oracle-Kündigungen per E-Mail vor Arbeitsbeginn, Vibe-Coding als Abitrage-Moment für eine kleine Gründergeneration, Schatten-KI in Konzernen, die an Governance und Mut scheitern. Die europäische Regulatorik wird dabei nicht als Bremse, sondern als potenzieller Exportschlager eingeordnet, sofern Europa eigene Alternativen schafft, statt sie ex ante zu verhindern.

    Key Learnings

    1. Politische Rückabwicklung statt Transformation. Das Entlastungspaket (Prämie plus temporäre Mineralölsteuersenkung) gilt der Runde als Symbol einer bewahrerischen, rückwärtsgewandten Wirtschaftspolitik.
    2. Arbeitsmarkt kippt im Herbst. Die These: Ab Herbst 2026 wird die agentische Automatisierung im Massenbewusstsein ankommen, der Arbeitnehmermarkt kippt final in einen Arbeitgebermarkt.
    3. Wertschöpfung entkoppelt sich von Lohnarbeit. Klassische sozialpolitische Instrumente, Betriebsräte, Generationsverträge, verlieren an Wirkmechanismus, wenn Arbeit ersetzt statt geteilt wird.
    4. Transilienz statt Resilienz. Stabilität ohne Wachstum reicht nicht, Wachstum ohne Stabilität auch nicht. Die neue Aufgabe ist beides gleichzeitig.
    5. Europäische Emanzipation statt Souveränitätsrhetorik. Eigene Infrastruktur, Open Source, Buy European, dazu eine Regulatorik, die Alternativen zulässt, statt sie vorab zu verhindern.
    6. Systemfrage neu gestellt. China zeigt, dass ein nicht-demokratisches Modell gleichzeitig stabilisieren und skalieren kann. Der Westen hat darauf bisher keine überzeugende Antwort.
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    46 min
  • Des Kaisers neue KI: und warum 99,9 Prozent noch applaudieren 👑
    Mar 20 2026

    Alle reden über KI. Kaum jemand versteht, was gerade wirklich passiert.

    In dieser Folge von Stunde Null sitzen Henning, Oliver und Wilbert zusammen und ziehen eine ehrliche Bestandsaufnahme, ohne Buzzword-Bingo, ohne Weltuntergangsstimmung, aber auch ohne die beruhigende Illusion, dass ein Microsoft Co-Pilot irgendwie reicht.

    Der entscheidende Schritt, der gerade vollzogen wird, ist der von der KI als Werkzeug zur KI als Akteur. Agentische Systeme handeln nicht mehr auf Zuruf – sie führen aus, planen, orchestrieren. Wer das noch nicht auf dem Schirm hat, gehört zur schweigenden Mehrheit von rund 99,9 Prozent. Die Folge erklärt, warum das ein Problem ist.

    Daneben geht es um die Fragen, die sich die wenigsten laut stellen: Was passiert mit einem Rentensystem, wenn hochqualifizierte White-Collar-Jobs in Tranchen verschwinden? Wer bezahlt das Handwerk, wenn die Mittelschicht wegbricht? Und welche Gesellschaftsmodelle stehen eigentlich zur Wahl – massive Umverteilung, KI-Kommunismus oder feudaler KI-Kapitalismus?

    Konkret wird es beim Blick in die Medizin, wo KI bereits in 40 Prozent der Fälle onkologische Diagnosen nachkorrigiert, und beim Quantencomputing, das zeigt, warum manche Probleme – Hamburgs Ampelsteuerung zum Beispiel – mit klassischen Rechnern schlicht unlösbar sind.

    Am Ende steht eine Hausaufgabe für alle drei: den Zauberlehrling lesen. Ob im Hardcover oder von der KI vorgelesen – das, so heißt es, sei eine Frage der Haltung.

    Stunde Null: überall, wo es Podcasts gibt.

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    53 min
  • Krisenmodus ⚠️ Deutschland: Ohne Schmerz kein Fortschritt
    Jan 5 2026

    In der Weihnachts- und Jahresabschlussfolge 2025 von „Stunde Null“ ziehen die drei Hosts eine ernüchternde Bestandsaufnahme: Wirtschaft, Politik und Verwaltung wirken blockiert, es fehlt das Gefühl, dass es wirklich vorangeht. Der zentrale Gedanke kreist um die Frage nach der „Stunde Null“ - also dem Punkt, an dem echte Erneuerung beginnt. Provokant formuliert: Braucht es erst einen richtigen Zusammenbruch, bevor sich etwas grundlegend ändert, oder schaffen wir es, vorher einen Kurswechsel hinzubekommen?

    Ein zentrales Motiv ist das fehlende „Licht am Ende des Tunnels“. Hoffnung wird als entscheidender Faktor beschrieben, weil sie Verhalten verändert: Wer Perspektive sieht, plant, investiert und denkt langfristig. Fehlt diese Perspektive, lebt man im Krisenmodus von Tag zu Tag. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff „Resilienz“ kritisch gesehen - oft bedeute er nur, sich an schlechte Zustände zu gewöhnen, statt sie zu verändern. Resilienz könne aber auch heißen, trotz negativer Dauerreize handlungsfähig zu bleiben.

    Sehr konkret wird die Kritik am deutschen Innovations- und Kapitalmarkt: Risikokapital ist extrem vorsichtig, viele Investoren wollen erst ein funktionierendes Geschäftsmodell mit Umsatz sehen. Für Startups ist das paradox und bremst Erneuerung. Gleichzeitig droht ein Ausverkauf, weil Kapital aus Saudi-Arabien, China oder Dubai in Europa investiert, während heimische Akteure zögern.

    Als strukturelle Ursachen sehen sie Bürokratie, Föderalismus und eine Politik, die in kurzen Legislaturperioden denkt. Echte Reformen brauchen längere Horizonte. Historisch seien große Veränderungen oft erst durch massive Krisen ausgelöst worden - die unbequeme Frage lautet daher, ob Europa erst an den Rand gedrängt werden muss, bevor es handelt.

    Die Diskussion streift auch Ethik, Demokratie und Protestwahl: AfD-Wähler pauschal als unmoralisch abzustempeln sei falsch, viele handelten aus Frust und Perspektivlosigkeit. Gleichzeitig zeigt sich ein gefährliches Dilemma, wenn demokratische Korrekturmechanismen nicht mehr greifen und Extreme attraktiver werden.

    Zum Schluss bleibt trotz allem ein Rest Optimismus: Unerwartete Dynamik („Emergenz“) ist möglich, neue Generationen könnten Bewegung bringen. Weihnachten wird als kurzer Moment des Innehaltens gesehen - mit der Hoffnung, dass danach mehr Mut zur Veränderung entsteht.

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    41 min
  • KI 🤖, Klone 👥 & Kontrollverlust – warum Echtheit zum neuen Luxus wird
    Dec 9 2025

    Zwischen Weinflasche und Weltlage gehen wir der Frage nach, wohin das alles führt: von geopolitischen Machtspielen, Narrativen à la „Follow the Money“ und Plattformen wie X bis hin zu einer Gesellschaft, in der KI-Inhalte zur neuen Normalität werden – und Echtheit plötzlich zur knappen Ressource.

    Wir sprechen darüber, wie geschickt politische Narrative gebaut werden, warum viele Menschen sich vom kapitalistischen System abgehängt fühlen und wie Medienmacht und Plattform-Ökonomie unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit verschieben. Ein roter Faden: Wer das Narrativ kontrolliert, kontrolliert zunehmend auch Macht.

    Im zweiten Teil drehen wir stark ins KI-Thema:
    Ein selbst geschriebener Song mit KI-Stimme wird zum Testfall für Authentizität. Wir diskutieren Skepsis gegenüber KI-generierten Inhalten, Kennzeichnungspflichten, GEMA, AI-Slop und die Gefahr, dass das Netz sich mit mittelmäßigen KI-Inhalten selbst zuschüttet. Gleichzeitig zeigt sich: KI als „Sidekick“ macht Schreiben und Denken oft strukturierter und effizienter – ersetzt aber nicht den eigenen Kopf, sondern verschiebt, wie und wo wir denken.

    Ein weiteres Motiv ist die wachsende Bedeutung von Imperfektion: Rechtschreibfehler als Echtheitsmerkmal, schräge Töne in der Musik, Unschärfen in der Kunst – all das gewinnt an Wert, je glatter KI-Ergebnisse werden. Wir sprechen über KI-Bands, zukünftige Trennung in „KI-Charts“ und „Human-Charts“ und darüber, warum ein Gesicht, eine Biografie und eine erlebbare Person hinter einem Werk für viele unverzichtbar bleiben.

    Zum Schluss wird es futuristisch: digitale Zwillinge, Lifelogging-Devices und die Idee, nach dem Tod als trainiertes Modell weiter mit den Enkeln „reden“ zu können. Daraus entstehen Fragen nach Identität, Bewusstsein und Konstruktion von Wirklichkeit: Wie weit lässt sich ein Mensch simulieren – und wo bleibt der Teil, der nur im gelebten Leben entsteht?

    Gleichzeitig zeigt sich eine starke Gegenbewegung: volle Räume bei analogen Formaten, mehr Sehnsucht nach „Meat Space“, echten Begegnungen, echten Events. KI überall – aber genau deshalb wird das Unperfekte, Analoge und Menschliche zum eigentlichen Luxusgut.

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    52 min
  • 💀 Der große Job-Exodus: Wenn KI 🤖 Karrieren frisst⚡️
    Nov 8 2025

    Zusammenfassung

    Diese Podcast-Folge widmet sich der existenziellen Krise des deutschen Arbeitsmarkts. Die KI-Revolution und multiple Wirtschaftskrisen haben eine perfekte Sturm-Situation geschaffen, die besonders gut ausgebildete Akademiker trifft. Das Gespräch entwickelt sich von konkreten Jobängsten zu philosophischen Fragen über Bewusstsein und Empathie. Besonders brisant: Die Diskussion mündet in einer dystopischen Vision, in der KI-Kapitalismus zum Kommunismus konvergiert.

    🚨 Massenentlassungen & Strukturwandel

    Der deutsche Arbeitsmarkt erlebt eine beispiellose Krise. Selbst gut ausgebildete Akademiker finden nach monatelanger Suche keine Jobs mehr. Unternehmen führen Pauschalentlassungen ganzer Abteilungen durch, ohne Einzelfälle zu prüfen. Der "zweite China-Schock" trifft die deutsche Industrie im Automobil- und Maschinenbau, während Europa wirtschaftlich ins Abseits gerät.

    🤖 KI als Jobkiller

    Programmierer waren "die ersten", deren Job obsolet wurde. Werbefilme, die früher 500.000 Euro kosteten, entstehen heute in fünf Minuten für 100 Euro. Bereits 60-70% des Social Media Contents sind KI-generiert. Die jüngere Generation trifft es am härtesten – sie kommt gar nicht erst in Positionen hinein.

    🧠 Philosophie: Mensch vs. Maschine

    Kann KI echte Gefühle haben oder nur simulieren? KI kennt weder Tod noch Schmerz noch Angst – ihr fehlt die existenzielle Dimension. Wenn KI uns perfekt spiegelt und denselben Effekt wie menschliche Empathie erzielt – ist der Unterschied noch relevant? Besorgniserregend ist die Selbstreferenzierung: KI trainiert sich mit KI-generierten Inhalten.

    💡 Der Fachkraft-Paradox

    Exzellente Fachkräfte sollten KI nutzen, um von guter zu herausragender Arbeit zu gelangen. Ein Fehler ist der Versuch, ungeschulte Werkstudenten mit KI-Prompts Fachkräfte ersetzen zu lassen. Generalisten haben bessere Chancen als Spezialisten. Der Schlüssel: komplementär zur KI werden statt substituierbar.

    💰 Der KI-Kapitalismus & seine Folgen

    Es zeichnet sich extreme Vermögenskonzentration bei wenigen Tech-Oligarchen ab. Zuckerbergs unterirdischer Bunker wirkt wie ein Vorbote. Die These: Wenn Produktionsmittel sich selbst reproduzieren, konvergiert Kapitalismus zu Kommunismus. Mit Roboter-Sklaven braucht man keinen Tauschhandel mehr. Der Machtinstinkt bleibt jedoch – und das macht die Situation gefährlich.

    ⚠️ Existenzangst & Sinnfrage

    Was bleibt vom Leben, wenn Erwerbsarbeit wegfällt? Qualifikation wird bedeutungslos, aber wozu dann studieren? Die Gesellschaft muss lernen, Sinn außerhalb des Jobs zu finden. Es geht um die fundamentale Frage nach Selbstwirksamkeit und Bedeutung.

    🔮 Zukunftsszenarien

    Die Utopie verspricht, dass KI Ressourcenprobleme löst und Forschung um Faktor 100 beschleunigt. Die Dystopie: Wenige besitzen Roboter-Sklaven, die Masse wird überflüssig. Aktuelle Ressourcen reichen nicht für 9+ Milliarden Menschen. Grundeinkommen erscheint als logische Konsequenz. Selbst Handwerksberufe sind durch Robotik bedroht.

    🚫 Die ignorierte Revolution

    Die Politik diskutiert Rente bis 67+, ignoriert aber die KI-Revolution. Das demografische Problem verlagert sich dramatisch. Die Diskrepanz zwischen Veränderungstempo und politischer Trägheit könnte fatal werden.

    🌍 Der optimistische Kontrast

    Noch nie ging es so vielen Menschen so gut. Noch nie waren so viele so gut gebildet. Die Gesellschaft wird sozialer. Vielleicht entwickelt sich das Machtgelüst zurück, wenn Knappheit überwunden wird.

    Fazit: Nach fast 10 Jahren Podcast-Diskussionen wird es jetzt "akut" – die dystopischen Szenarien materialisieren sich schneller als gedacht.

    Die wichtigsten Themen

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    49 min
  • Zwischen Katzenvideos 🐈 und Kulturkampf: Braucht unsere Demokratie eine digitale Renaissance?
    Sep 25 2025

    In dieser Folge von „Stunde Null – Digitale Zeitenwende“ drehen wir den Blick weg vom Dauerkrisenmodus hin zur Frage, wie eine gute Zukunft aussehen kann. Mit am Tisch: Pascal Kümper, Unternehmer und Techie, heute unser spontaner Jam-Session-Gast. Schnell wird klar, Utopie heißt nicht Schlaraffenland. Es geht nicht um eine perfekte Welt ohne Reibung, sondern um bessere Rahmenbedingungen, in denen wir Konflikte zivil, vernünftig und konstruktiv austragen.

    Der rote Faden: Rationalität braucht ein Wertefundament. Ob wir das Ethik nennen oder Spiritualität, am Ende geht es um einen gemeinsamen Kern an Haltungen, der Zusammenhalt ermöglicht. Wenn Vernunft und Werte zusammenspielen, entsteht Gemeinsinn statt Kulturkampf. Daraus leitet sich eine sehr bodenständige Utopie ab: eine belastbare Demokratie, ein reformiertes, handlungsfähiges Europa, das seine Werte lebt. Nicht als Heilsversprechen, sondern als Richtung, die heute Entscheidungen beeinflusst.

    Ein zweites großes Feld ist die digitale Öffentlichkeit. Das Internet startete als Emanzipationsversprechen, irgendwo zwischen Katzenvideos und globaler Vernetzung. Heute erleben wir Suchtmechaniken, Polarisierung und ein öffentliches Gespräch, das oft gegen die Wand läuft. Reicht Regulierung? Nein. Ohne Bildung keine digitale Mündigkeit. Ohne kluge Regeln keine fairen Spielbedingungen. Beides zusammen ist der Einstieg in eine digitale Renaissance, die den Menschen wieder in die Lage versetzt, Quellen einzuordnen, Algorithmen zu verstehen und sich nicht von Empörungsökonomien treiben zu lassen.

    Spannend ist auch unser Zeithorizont. Nach Corona denken viele in kürzeren Zyklen. „Utopie nächstes Jahr?“ Klingt gut, hat aber einen Haken. Wer nur im Quartal plant, verliert die großen Entwürfe. Trotzdem lohnt es sich, konkrete Schritte zu benennen, die schon morgen Wirkung entfalten können: bessere Medienbildung in Schulen und Betrieben, transparente Plattformregeln mit echter Durchsetzung, eine europäische Digitalarchitektur, die Gemeinwohl priorisiert, und eine politische Kultur, die Differenz aushält.

    Wir halten fest: Utopien kippen schnell ins Totalitäre, Dystopien treffen alle. Die Lösung liegt im Prozess, nicht im Endzustand. Demokratie bleibt anstrengend, aber sie ist genau der Rahmen, in dem wir Fortschritt verhandeln können. Oder, einfacher gesagt, Utopie ist keine Zieladresse, sondern ein Kompass. Die Richtung wählen wir gemeinsam.

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    41 min
  • Volle Dröhnung Zukunft - Rausch oder Absturz 😵‍💫 in der KI-Ära
    Sep 12 2025

    Die Folge schwenkt rasch in eine grundsätzliche Lageanalyse: Künstliche Intelligenz verändert Arbeit, Gesellschaft und Machtgefüge. Die Gesprächsrunde verhandelt das Spannungsfeld zwischen sozialpolitischen Antworten wie einem bedingungslosen Grundeinkommen und dem Plädoyer für sinnstiftende Erwerbsarbeit. Einigkeit besteht darin, dass KI Tätigkeiten nicht nur ersetzt, sondern vor allem verlagert und verstärkt. Generalisten können mit KI deutlich mehr Projekte parallel souverän managen, während tief spezialisierte Expertinnen und Experten heute ganze End-to-End-Vorhaben alleine liefern, die früher Teams brauchten. Praktisch zählt weniger der „perfekte Prompt“ als ein iterativer Workflow über Spracheingaben, gleichwohl bleiben probabilistische Modelle fehleranfällig und halluzinieren gelegentlich.

    Vor diesem Hintergrund diskutiert die Runde, welche neuen Rollen jenseits klassischer Erwerbsarbeit aufgewertet werden sollten, von Community- und Vereinsarbeit bis zu kreativen, nicht automatisierbaren Tätigkeiten. Gleichzeitig wird ein realistischer Blick auf die Adoptionskurve geworfen: Viele Menschen waren von der früheren Digitalwelt mit überladenen Oberflächen überfordert, KI-Interfaces holen sie über einfache Spracheingaben wieder ab. Der gesellschaftliche Rahmen ist jedoch geprägt von Krisenerfahrungen der letzten Jahre, was die Debatte häufig düster färbt und zu Resignation verleiten kann. Der Appell lautet, KI als Ergänzung zu verstehen und Menschen aktiv mitzunehmen, statt sie über Transferleistungen zu verwalten.

    Ein zentrales Motiv ist der Konflikt zwischen Datenschutz und Bequemlichkeit. Am Beispiel großer Plattformen wird kritisiert, dass in Nutzungsbedingungen weitreichende Einwilligungen versteckt sind und neue Funktionen wie das Teilen sehr großer Dateien auch als Datenzufuhr für Trainingszwecke gelesen werden können. Die Runde schlägt als europäische Antwort einen persönlichen „Agenten“ vor, der AGB und Cookie-Banner nutzerseitig prüft, rote Linien kennt und vor riskanten Klauseln warnt. Transatlantische Datenabkommen und regulatorische Grauzonen erhöhen den Druck auf individuelle Mündigkeit: Wer um der Bequemlichkeit willen Prinzipien aufgibt, stärkt Monopole und schwächt sich selbst.

    Geopolitisch kontrastiert die Episode das hohe Innovationstempo in den USA mit der europäischen Regelarchitektur. Data Act, Digital Services Act und Digital Markets Act werden als Versuch gewürdigt, Datenzugänge fairer zu gestalten, Marktmacht zu begrenzen und Plattformen in Verantwortung zu nehmen. Zugleich kritisiert die Runde US-politische Angriffe auf diese Regeln und warnt vor oligarchischen Tendenzen, wenn ökonomische, technologische und politische Macht zu eng zusammenfallen. Macht wird als notwendige, aber zu legitimierende Ressource verstanden, idealerweise „geliehen“ durch demokratische Verfahren. Problematisch sei, wenn sehr alte Entscheidungsträger mit kurzen persönlichen Zeithorizonten historische Risiken in Kauf nehmen, während jüngere Führungsgenerationen stärker auf langfristige Folgen achten.

    Europa bleibt ambivalent: Stärken wie Rechtsstaatlichkeit, wertebasierte Standards und Detailliebe stehen einer institutionell bedingten Langsamkeit gegenüber. Die Gesprächspartner plädieren für mehr Souveränität bei Schlüsseltechnologien, ohne die ökonomischen Vorteile des Binnenmarkts zu verlieren. Im Alltag ist KI bereits nützlich, von Transkription über Recherche bis zu Produktivitätsgewinnen im Projektgeschäft, zugleich spüren nicht alle sofort einen Mehrwert. Der Schlussblick ist bewusst konstruktiv: Die nächste Folge soll die Utopie in den Mittelpunkt stellen und konkret machen, wie KI Bildung, Gesundheit, Wohlstand und gesellschaftliche Teilhabe positiv voranbringen kann.

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    40 min