Épisodes

  • Unter Freunden: Warschauer Ghetto
    Apr 23 2026
    Schreck der Erinnerung: Am 19. April 1943 begann der Aufstand im Warschauer Ghetto, der im Mai mit einer „Großaktion“ niedergeschlagen wurde, sodass der SS-Brigadeführer Jürgen Stroop melden konnte: „Der ehemalige Jüdische Wohnbezirk Warschaus besteht nicht mehr.“ 65.065 Juden wurden „erfasst“ und „nachweislich vernichtet“. Ein Rückblick auf zwei Reisen, die sich dem Geschehen annähern, auf zwei Ausflüge in die Vergangenheit mit viel Musik und mit persönlichen Erinnerungen.
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    42 min
  • Unter Freunden: Gabriele Gysi – Grabrede auf die DDR in Würde
    Apr 22 2026
    Gabriele Gysi kommt aus einer „redenden Familie“, in ihrem Buch „Die Nacht, als Soldaten Verkehrspolizisten wurden“ mit dem Untertitel „Gibt es noch eine deutsche Frage?“ will sie eine Art Grabrede auf die DDR halten, um zu einem „stillen Grab“ zu kommen, um den Bürgern der DDR ihre Würde zurückzugeben. Sie betont den „Aufbauwillen“ und den aufrichtigen Wunsch, eine „gerechte Welt“ zu schaffen, stellt aber auch viele Fragen: Wie kam es zu einem Kulturkampf und zur Abschaffung der deutschen Kultur? Welche Rolle spielte Sergei Tjulpanow? Welche Elvis Presley? Welche Funktion hat das Gendern? Worin besteht der Vorteil, dass die Entwicklung in der DDR nicht profitorientiert war? Worin lagen der besondere Witz und der Humor der Ossis? Woher kommt das Verlangen nach Opfergaben? Ist „unsere“ Demokratie überhaupt noch eine Demokratie? Kann sich die „Ohnmacht des Zuschauers am Weltgeschehen“ in Macht umwandelt, wenn man jemanden denunziert? Kann man die neuen Repressionen durch die EU-Sanktionslisten mit dem Überwachungsapparat der Stasi vergleichen? Fragen über Fragen.
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    51 min
  • Unter Freunden: Christian Reuther – Friedensfahrt mit dem Rad
    Apr 5 2026
    Damals waren sich die Organisatoren nicht einig, ob eine „Internationale Friedensfahrt“ von Warschau nach Prag führen sollte oder umgekehrt. 1948 gab es deshalb zwei Fahrten, eine von Warschau nach Prag, eine in die Gegenrichtung. Christian Reuther erzählt von der „Friedensfahrt Berlin“, die es seit 2022 gibt und sich als Fortsetzung dieser spektakulären Friedensfahrten sieht, die damals in der DDR jeder kannte. Auch 2022 mussten verschiedene Richtungen zusammengeführt werden: Die alten Friedensfahrer sehen sich in linker Tradition, die neuen Radler werden als „Neue Rechte“ beschimpft. Die „Friedensfahrt Berlin“ entstand aus den Corona-Demonstrationen, mit denen die Linken zunächst fremdelten. Inzwischen finden sie zusammen, einerseits die „Friko“, also die alte Friedensbewegung, zu der auch die Kriegsdienstverweigerer zählen, andererseits die Aktivisten einer neuen Friedensbewegung, die neue Lieder hat und einen besonderen Charme: Sie sind „mobil und bürgernah“. Mit einer Hand winken sie freundlich und verbreiten gute Laune, sie sind gegen Waffenlieferungen, für Verhandlungen, ihre Parole lautet „Frieden nach innen und außen“. Also dann: Gute Fahrt! Und: Frohe Ostern!
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    44 min
  • Unter Freunden: Andrea Charlotte Berwing – „Wir wurden mit Liebe erpresst“
    Mar 29 2026
    Ihr Vater saß nach versuchter Republikflucht im Gefängnis. Weil sich die junge Andrea nicht von ihrem Vater distanzieren wollte, wurde sie in Mitleidenschaft gezogen. Sie durfte kein Abitur machen, als sie einen Ausreiseantrag stellte, beschied man ihr: „Sie kommen hier nie raus.“ Sie wurde Punk-Sängerin, weil es die angemessene Musik war, um das „sprengende Gefühl“ gegenüber den Einschränkungen des Sozialismus auszudrücken. Als sie schließlich doch in den Westen kam, war sie enttäuscht, als sie den Ost-Punk mit dem kaputten West-Punk verglich. Sie wollte nicht in die „Selbstzerstörung gehen“, schrieb Bücher und kleine kritische Texte für alternative Medien. Sogleich machte sie wieder Bekanntschaft mit der Kontaktschuld: Veranstaltungen wurden abgesagt, sie wurde gemobbt und verraten. So wie die Stasi versucht hat, Familien zu trennen und Liebschaften zu untergraben, so wurden wir auch in Zeiten von Corona „mit Liebe erpresst“, wie Andrea Berwing sagt. „Der gesunde Mensch wurde zum Feind erklärt. Liebe wurde zum Feind erklärt.“ Inzwischen hat sie wieder „Freude am Leben“ gefunden, sie sieht es jedoch nicht als ihre Aufgabe an, den Verrätern zu verzeihen. Das tut sie nicht.
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    51 min
  • Unter Freunden: Christian Wipperfürth – Versagt die deutsche Diplomatie? Verlieren wir unsere Freunde?
    Mar 22 2026
    Staaten sind nicht miteinander befreundet, sie haben unterschiedliche Interessen, die abgeglichen werden müssen. Dennoch gibt es auch zwischen einigen Staaten geradezu freundschaftliche Beziehungen, die auf eine lange Geschichte zurückblicken. Dr. Christian Wipperfürth, der sich besonders auf das deutsch-russische Verhältnis spezialisiert hat, gibt einen Überblick über die Entwicklung der deutschen Diplomatie und bedauert, dass die ehemals guten Beziehungen „verspielt worden sind“. Entsprechendes gilt für die Beziehungen mit dem Iran. Wipperfürth beklagt nicht nur die aktuelle Misere und weist auf Defizite der deutschen Außenpolitik hin, er erinnert auch an gute Zeiten, an gute Einzelfälle und macht konkrete Vorschläge für „kleine Schritte“ in die richtige Richtung. Wipperfürth spricht auch über die demografische Krise, gibt einen weit gefassten Überblick über die Entwicklungen und die Maßnahmen in Frankreich und Deutschland und belässt es auch hier nicht beim Beklagen der Zustände, sondern plädiert für mehr „Gelassenheit im Umgang mit Kindern“.
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    51 min
  • Unter Freunden: Rebecca Niazi-Shahabi – Die Sehnsucht, dass „Iran wieder Iran sein kann“
    Mar 15 2026
    Rebecca Niazi-Shahabi hat sowohl israelische als auch iranische Wurzeln. Sie erzählt von ihren Abenteuerreisen nach Teheran, als sie 1975 als Kind das Wunderland mit den imposanten, selbstbewussten Frauen und den schroffen Widersprüchen zwischen Glanz und Elend erlebt und sogar den Schah Reza Pahlavi getroffen hat. Dann musste sie 1979 mitansehen, wie das Land von religiösen Eiferern übernommen wurde. Ihre Liebe zu dem Land wirkt immer noch nach und bereitet ihr vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse schlaflose Nächte. Gleichwohl sorgt sie sich um ihre Freunde in Israel, die ebenfalls in einem dramatischen Konflikt stecken. „Man darf sich gegen nichts und niemanden aufhetzen lassen, weil das nicht im eigenen Interesse ist. Krieg ist nicht in unserem Interesse.“ Rebecca Niazi-Shahabi erzählt vom Alltagsleben, von der Mode, von der Musik, und sie stellt uns Googoosh vor, eine lebende Legende, „ein Symbol für das, was Iran verloren hat“. Googoosh gehört zur Lebensgeschichte der Iraner wie eine gute Freundin, die man schon lange kennt, und verkörpert die Sehnsucht, dass „Iran unter einem Dach wieder Iran sein kann“.
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    48 min
  • Unter Freunden: Eugen Zentner – Kunst in Zeiten der Corona-Krise
    Mar 8 2026
    Während der unglückseligen Corona-Jahren erlebten wir einen „Winterschlaf der Kultur“, wie es Friedrich Nietzsche genannt hätte. Für alle Kunstformen, die sich direkt an ein Publikum wenden wollten, gab es einen Lockdown, regierungskritische Töne wurden bekämpft. Für viele Künstler ging es ums Überleben. Obendrein stellte sich ihnen die Frage, mit welchen künstlerischen Mitteln sie die drängenden Themen verarbeiten sollten. Eugen Zentner hält die Form der Kurzgeschichte für besonders geeignet, um innere Kämpfe darzustellen, die die Helden an einen Punkt bringen, von dem aus sie auf den „Boden ihrer Existenz schauen. Es ist ein Punkt größter Verzweiflung“. Er bringt dafür Beispiele aus seiner Sammlung „Corona-Schicksale“ und spricht über die Entwicklung der modernen Kurzgeschichte, in der die Situation selber zum eigentlichen Protagonisten wird. In seinem Buch „Kunst und Kultur gegen den Strom“ stellt er Künstler vor, die sich keinen Maulkorb umbinden ließen. Einige davon waren schon bei „Unter Freunden“ zu Gast. Das Archiv dieser Sendereihe ist – wie auch das Buch von Eugen Zentner – ein Tummelplatz der kritischen Kunstszene, die eine bemerkenswerte Vielseitigkeit aufweist und – wie an den Kurzgeschichten von Zentner deutlich wird – den ernsthaften Willen hat, nicht nur als Protokoll der laufenden Ereignisse zu dienen, sondern sich als Kunst mit einem Eigenwert zu behaupten.
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    48 min
  • Unter Freunden: Kerstin Steinbach – Die „verhassten Bilder“ aus der „besseren Zeit“
    Feb 22 2026
    Die von Dr. Kerstin Steinbach so genannte bessere Zeit (von 1965 bis 1975) zeichnet sich durch ein Lebensgefühl aus, das aus heutiger Sicht geradezu märchenhaft wirkt: Man konnte angstfrei seine Sexualität ausleben, selbstbewusst nackt sein und offen seine Meinung aussprechen. Beendet wurde das kurze Glück durch die aggressive „Schwarzerei“, also durch die staatlich abgesicherten Vorstöße von Alice Schwarzer, die uns den gouvernantenhaften Frauenrat und ein „gängelndes“ Sexualstrafrecht beschert haben und durch Berufsverbote, die durch den Radikalenerlass von Willy Brandt möglich wurden. Steinbach hat die „verhassten Bilder“ der „besseren Zeit“, in der Prostitution und Pornokonsum rückläufig waren, lustvoll dokumentiert, wehmütig kommentiert und historisch eingeordnet. Damals galt: „Lustsuche statt Geldsuche“. Bei Sachfragen sollte die Vernunft auf dem Richterstuhl sitzen, die Geschlechterfrage sollte keine Rolle spielen, die Politik sollte sich heraushalten. Das ist vorbei. Eine Rückkehr zu der „besseren Zeit“ wird es so bald nicht geben. Jetzt geht es, so Steinbach, darum, die Wiedereinsetzung der Verfassung zu erstreiten und die Meinungsfreiheit zu verteidigen.
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    52 min