Épisodes

  • Gesundheitssystem vor der Insolvenz? | Laura Dalhaus zum aktuellen Stand
    Jan 21 2026

    Die erste Solofolge in 2026! Auch Laura hat einige Vorsätze, die sind ihre persönliche Verantwortung. In der Politik gibt es allerdings Menschen mit mehr Verantwortung – schauen wir uns an, ob sie diese auch annehmen!

    Immer mehr Arbeitskreise und Kommissionen gegründet, wir haben aber kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.

    Ein Lösungsansatz wäre eine Ausrichtung an Bedarf, nicht an Bedürfnissen.

    Wir hängen aber weiterhin im Silo-Denken fest, sonst würden sich einige Facharztverbände nicht gegen das Primärarztsystem wehren.

    Union und SPD fordern jetzt mutige Strukturreformen. Die CSU allerdings möchte die telefonische Krankschreibung abschaffen – damit die Leute mit Norovirus wieder in den Praxen sitzen?

    Frau Machalet will auf Prävention zur Kostensenkung setzen. Das ist ne super Idee, bis das aber greift, sind wir eine Generation weiter.

    Eine Praxisgebühr ist auch keine Strukturreform. Es gibt viel wichtigere Fragen.

    Die Krankenkassen wollen jetzt selbst steuern. Laura betont noch einmal: Der Arztberuf ist ein selbstständiger Beruf. Wenn die Krankenkassen in die Terminsteuerung eingreifen, sind die Kriterien der Selbstständigkeit nicht mehr gewährleistet. Und dann sind Sozialversicherungsbeiträge für Ärzte fällig.

    Dahinter steckt die anmaßende Unterstellung von Krankenkassen, dass Haus- und Fachärzte die falschen Patient:innen versorgen.

    Besonders teuer sind auch die Kliniken. Die machen nämlich super viel stationär statt ambulant. Die ambulante Medizin ist unterfinanziert, so z.B. Mandeloperationen. Die könnte man einfach ambulant machen, in den Niederlanden passiert das zu 87%, in Deutschland nur zu 19%.


    Morbi-RSA ist ein morbiditätsbedingter Risikostrukturausgleich. Das heißt: Krankenkassen, die viele Kranke und Alte versorgen, sollen mehr Geld bekommen als diejenigen, die hauptsächlich Gesunde und Fitte versorgen. Dieses Geld kommt aus dem Morbi-RSA.

    Laura findet es sinnvoll, diesen abzuschaffen, er sorgt für noch mehr Bürokratie.


    Uns droht eine Systeminsolvenz.

    Trotzdem haben die Krankenkassen irgendwie noch viel Geld, die Energie-BKK zahlt ihren Versicherten beispielsweise Geld für die Messung der Intima-Media-Dicke – für Laura eine völlig sinnlose Untersuchung ohne eine Verdachtsdiagnose.


    Die Kassen haben eine Dreifachverwaltung: Landesverband, Bundesverband und den GKV-Spitzenverband. Das könnte man vereinfachen und dadurch Geld sparen. Auch die Werbekosten zu streichen hat ein Einsparpotential von 100 Millionen Euro jährlich.


    Die Wartezeiten sind auch immer wieder ein Thema. Minister Philippi möchte einfach mehr KI einsetzen – nur wer zahlt das denn?


    Die Gebühren für Rettungsfahrten werden nun zurückgezogen. Vorerst. Bis Ostern soll es eine feste Regelung geben.


    Der MD fordert die Offenlegung von Behandlungsfehlern. Natürlich sind diese ein riesiges Problem. Doch wir müssen uns ehrlich machen, warum diese Behandlungsfehler passieren!

    Laura regt sich tierisch darüber auf. Die Arbeitsbedingungen mit 2-Minuten-Medizin und 24h-Diensten sind unmenschlich, gleichzeitig wird mit dem Finger auf Ärzte gezeigt.


    Abwarten ist keine Option. Eine mögliche Lösung wären Primärversorgungszentren, in denen Medizin, Pflege, Sozialarbeit und Psychotherapie vereint sind. Laura würde so etwas wirklich gerne leiten!

    Eine weitere Diskussion, die wir führen müssen ist, was eine solidarische Versorgung dauerhaft leisten kann.


    Zum Abschluss möchte Laura nochmal über Jens Spahn sprechen. Seine Verfehlungen müssen in den Vordergrund gerückt werden. Er hängt außerdem bei Nius und Peter Thiel drin. Kein Politiker hat so einen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet wie er.



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    48 min
  • Zwischen Haftung und Heilkunde – wie blickt ein Jurist auf das Gesundheitssystem? | Hendrik Hörnlein
    Jan 14 2026

    Regresse, Schmerzensgeld und die neue GoÄ – das sind Themen, die in der Medizin mal von einem Juristen beurteilt werden sollten!

    Deswegen hat Dr. Laura Dalhaus für die neue Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ Hendrik Hörnlein eingeladen, einen Medizinjuristen, der neben der Arbeit in seiner Kanzlei auch Healthcare Compliance Officer ist.

    Eigentlich sind Ärzte und Anwälte sich oft gar nicht so grün. Doch Hendrik findet auch, dass das Gesundheitswesen stark überreguliert ist. Wenn er von einem Arzt eine Frage bekommt, muss er sich zunächst durch zig gestufte Gesetze und Verträge wühlen.

    Er erklärt, dass im Vergleich zu früher mehr geklagt wird, diese Tendenz ist allgemein in der Gesellschaft aber gestiegen. Die Schadenssummen sind aber im Verhältnis zu denen in anderen Ländern eher gering. Es gibt in Deutschland den Schadensersatz, bei dem bekommt das ersetzt, was man verloren hat, auf der anderen Seite gibt es noch das Schmerzensgeld, was sich viele Leute ganz hoch vorstellen – ist es aber gar nicht.

    Laura greift das Urteil gegen Professor Volz auf, der einen geplanten und medizinisch notwendigen Schwangerschaftsabbruch nicht durchführen durfte, weil der kirchliche Träger ihm das untersagt hatte. Vor dem Arbeitsgericht verlor er, weil der Arbeitgeber die Behandlung bestimmen darf. In Laura’s Augen spricht das gegen die Therapiefreiheit.

    Hendrik erklärt das Urteil und dass sich das Gericht sich mit der Komplexität der Sondersituation und der Religionsfreiheit nicht genug auseinandergesetzt habe. Dazu kommt, dass sich der kirchliche Träger in die Nebentätigkeit von Herrn Volz eingemischt hat.

    Ein weiteres Urteil, das Laura und Hendrik besprechen, sind die Regresse gegen einen Kardiologen, der Rezepte nicht mit einem Kugelschreiber, sondern einem Stempel unterschrieben hat. Hendrik erklärt, wie komplex die Gesetzesgrundlage hierfür ist.


    Weiter geht es mit dem Thema MVZs und der Haftung. Denn wenn Regresse entstehen, dann haftet Laura in ihrer Praxis selbst. Doch wer ist bei den MVZs, vor allem den kommunalen, die Person, welche die Haftung übernimmt?

    Laut Hendrik kommt es auf die zivilrechtliche Gestaltung an.


    Laura erzählt von der neuen GoÄ (Gebührenordnung für Ärzte), über die unfassbar viel diskutiert wurde, u.a. beim Deutschen Ärztetag. Für Hendrik ist es ein Armutszeugnis, wie das gelaufen ist, denn das letzte Mal wurde die GoÄ 1982/83 vollständig reformiert. Die Absurdität war, dass die Bundesregierung nichts gemacht hat, bis die Ärzteschaft sich mit den Kostenträgern für einen Entwurf geeinigt hat.


    Gesundheitsministerin Nina Warken hat eine neue Finanzkommission gegründet, die bis 2027 Vorschläge erarbeiten will. Laura hat langsam die Hoffnung auf eine Revolution des Systems verloren. Für Hendrik stellt sich die Frage, ob wir das Monstrum an Bürokratie irgendwie abbauen können.


    Brauchen wir mehr Steuerung? Wir haben immer mehr Spezialisten, gleichzeitig in der Stadt eine hohe Dichte an Ärzten – auf dem Dorf viel zu wenig.

    Brauchen wir hier mehr Steuerung oder würde sich das dann zu einem staatlichen Gesundheitssystem entwickeln analog Englands? Laura ist zwiegespalten.

    Hendrik erklärt, dass die Bedarfsplanung eigentlich diese Steuerung darstellt.

    Menschen werden aber immer älter und komplex kränker, deswegen sehen immer mehr Player die Möglichkeit, Geld im System zu verdienen – beispielsweise Kaufland und dm. Die enge Betreuung sieht Laura allerdings nur in der Betreuung vor Ort.

    Das, was Kaufland macht, ist eine Form von Telemedizin, das findet Hendrik eigentlich eine positive Sache. Doch ist es Heilkunde und somit erlaubt? Dazu läuft gerade ein Prozess.

    Laura regt sich besonders darüber auf, dass die Patient:innen mit den Ergebnissen alleine gelassen werden.



    Zum LinkedIn-Profil von Hendrik:

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    1 h et 1 min
  • Fachkräftemangel und Weiterbildung im Krankenhaus | Dr. Susanne Johna
    Jan 7 2026

    Wie steht es um die Aus- und Weiterbildung in Krankenhäusern? Was können wir gegen den Fachkräftemangel machen und lohnt sich Berufspolitik überhaupt?

    Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Susanne Johna, der Vorsitzenden des Marburger Bunds.

    Dieser vertritt vorwiegend die Belange von angestellten Ärzt:innen und somit auch einem Großteil der Krankenhausärzt:innen.

    Susanne Johna hat gerade bei einer Anhörung im Bundestag darüber gesprochen, dass in manchen Fächern die Weiterbildungsstellen verloren gehen. Ein weiteres Problem ist die Bürokratie:

    Angestellte Ärzt:innen müssen sich immer wieder neu von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen, wenn sie den Job wechseln – ein unnötiger Akt.

    Als Hausärzt:in ist man immer sehr pragmatisch, sonst würde man den Alltag nicht schaffen, fehlenden Pragmatismus kann Laura deswegen gar nicht nachvollziehen.

    Auch Bereitschaftsdienste und Arbeitszeiterfassung sind ein großes Thema.

    Mit den Unikliniken gibt es jetzt einen Tarifvertrag, dass Arbeitszeiterfassung elektronisch sein muss, aber ein Teil der Kliniken macht das nicht. Auch die Bundesregierung will flexiblere Arbeitszeiten, da stellt sich aber die Frage: Was bedeutet überhaupt flexibel?

    Laura wird richtig wütend, wenn über steigende Behandlungsfehler gesprochen wird, gleichzeitig werden auch die Arbeitsbedingungen immer schlechter.

    Susanne Johna sagt dazu einen starken Satz: Nicht die Menschen sind das Risiko im System, sondern die Menschen sind der Sicherheitsfaktor im System.


    In der Folge mit Eli Inhester hat Laura herausgefunden, dass viele Bereitschaftsdienste nur zu 60% bezahlt werden, wie selbstverständlich wird aber durchgearbeitet.

    Susanne erklärt, dass man das nicht akzeptieren muss. Allerdings sind dann die Grenzen zum Schichtdienst fließend.


    Die beiden diskutieren auch über die Krankenhaus-Reform, durch die beispielsweise die spezialisierte Kinderheilkunde verschwindet. Dies ist ein systematisches Problem.


    Bei der Definition von Leistungsgruppen entsteht auch die Frage, wie viel Personal man benötigt. Dieses Personal muss allerdings auch ausgebildet werden.

    In anderen Ländern gibt es explizite Weiterbildungsstellen. Denn man kann Menschen in Ausbildung nicht als Vollzeitstellen rechnen – schließlich müssen sie noch lernen.


    Medizin ist unfassbar hierarchisch. Es kommen immer wieder Fälle ans Licht zum Thema Machtmissbrauch und schlechte Führungskultur. Auch Sexismus und Rassismus, sowie Homophobie sind hier Themen. Schockierend ist, dass Dinge gesagt werden, von denen man gehofft hat, dass sie nicht mal mehr gedacht werden.

    Junge Kolleg:innen kehren so dem System den Rücken. Beide sind aber überzeugt: Wir brauchen multikulturelle und junge Teams!

    Ein weiteres Thema ist eine fehlende Gleichbehandlung bei den Geschlechtern. Das Medizinstudium ist sehr weiblich, trotzdem sind die meisten Chefärzte männlich.

    Die beiden diskutieren auch über fehlende Kinderbetreuung. Das Thema ist einfach nicht gut gelöst in Deutschland.


    Selbst wenn wir jetzt mehr Studienplätze für Medizin haben, die Menschen aber dann nicht im System halten können, hilft das auch nicht.


    Susanne ist als Berufspolitikerin sehr engagiert, sie erklärt, dass man sich oft mit den kleinen Schritten anfreunden und manchmal auch verstehen muss, dass man Schlimmeres verhindert hätte.

    Laura ist teilweise resigniert, denn die Vorschläge aus der Ärzteschaft sind wissenschaftlich begründet – trotzdem passiert nichts. Ein Beispiel ist der Paragraph 218.


    Dr. Johna wünscht sich von der Bundesgesundheitsministerin Frau Warken besonders eine Stärkung des Bereichs Prävention. Das wird sich rechnen – nicht in einer Legislaturperiode – aber langfristig.

    Sparen...

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    1 h et 7 min
  • Wie finanzieren wir Gesundheit? Sparen an den falschen Ecken | Laura zum aktuellen Stand
    Dec 31 2025

    Eigentlich wollte Laura eine Rückblickfolge machen. Doch der GKV-Spitzenverband hat ein 77-Seiten-Pamphlet aufgelegt und deswegen spricht Laura über die Aufgaben, welche die Bundesgesundheitsministerin und ihre Finanzkommission Gesundheit in 2026 mitnimmt.

    Zuerst gibt’s aber noch ein paar Neuigkeiten aus dem System:

    Wenn Patient:innen den Rettungsdienst alarmieren, müssen sie einen Eigenanteil zahlen, wenn sie einen Krankenwagen brauchen. Findet keiner cool, aber keiner will’s sonst zahlen.

    Jeder vierte junge Mensch fühlt sich psychisch belastet, das hat Quentin Gärtner auch schonmal betont. Die Pandemie hat bei vielen Kindern und Jugendlichen psychische Beeinträchtigungen hinterlassen, gleichzeitig finden sie jetzt keinen Therapieplatz.

    Therapeutische Wundprodukte fallen jetzt auch wieder aus der Erstattung.

    Auch beim Thema Impfempfehlungen herrscht die Bürokratie vor. Jede Schutzimpfungsrichtlinie muss erst durch den Gemeinsamen Bundesausschuss freigegeben werden und dann gibt es noch Verhandlungen auf Bundesebene. Die Impfung gegen Meningokokken B wird auch noch nicht von der GKV übernommen.

    Die Kassen haben derweil eine Digitalisierungsstrategie vorgelegt, diese wollen jetzt die Patient:innen steuern. Damit ist auch die Sicherstellung verbunden – dann gibt Laura ihre Kassenzulassung zurück. Es ist grotesk, dass der GKV-Spitzenverband sich als freundliche Versorgungshilfe inszeniert.

    Wenn wir langfristig die Kosten senken wollen im Gesundheitssystem, dann müssen wir auf Prävention setzen, doch die Politik unternimmt zu wenig.

    Ohne Mut zur Strukturreform wird’s nicht gehen. Sonst könnten Beiträge zur Krankenversicherung bald die Rente übersteigen.

    Kommen wir zurück zu den vorgestellten Maßnahmen des GKV-Spitzenverbands.

    Ein Irrsinn ist ein Fahr- und Notdienst gleichzeitig zu den Öffnungszeiten der Praxen. Auch Telemedizin soll 24h pro Tag erreichbar sein.

    Zunächst gab es eine Kommission Pflege, die Politik scheint zu hoffen, dass diese Kommissionen ihre Arbeit machen. Sogar die Kassen sind davon überzeugt.

    Die SPD will den Eigenanteil deckeln, die Union hält das nicht für finanzierbar, die CDU will eine private Zusatzversicherung, das hält die SPD für unsolidarisch.


    Warken hofft auf mehr Facharzttermine durch Ergebnisse der Expertenkommission, in der übrigens niemand aus der ambulanten Medizin drinsitzt. Jetzt ist auch mal aufgefallen, dass 13% der Termine im fachärztlichen Versorgungsbereich ohne Bezahlung stattfinden.

    Die Schuld wird sich mal wieder hin- und hergeschoben von den Parteien.


    Stabile Beitragssätze sind 2026 kaum zu halten laut GKV Spitzenverband. Der Vermittlungsausschuss hat aber keine Einigung erzielt.

    Auch der Pharmasektor bleibt ein Problem, wir geben mehr für Medikamente aus als für die gesamte ambulante, ärztliche Versorgung. Die Pharma-Industrie soll ihren Beitrag leisten, das will aber die SPD nicht – in Rheinland-Pfalz sind halt nächstes Jahr Wahlen.

    Es wird also heiß diskutiert, ob die Pharma-Branche mitwirken soll oder nicht.


    Die Krankenkassen wollen, dass Heil- und Hilfsmittel nur noch per Festbetrag erstattet werden sollen und die Verpflichtung zur hausarztzentrierten Versorgung beenden. Doch die sorgt für viel bessere Versorgung.


    Laura ist davon überzeugt, dass die Zukunft der Versorgung in einem Primärarztsystem liegt, dafür brauchen wir Physician Assistants und Primary Care Manager.


    Zum Schluss gibt es noch ein wichtiges Thema: Herr Streeck, eigentlich Drogenbeauftragter der Bundesregierung, hat sich zur Medizin am Lebensende geäußert. Das war das falsche Medium, ABER: Wir müssen uns darum kümmern.

    Es gibt keine Regelung über Medizin am Lebensende, gleichzeitig gibt es Menschen, die möchten ihr Leben vorzeitig beenden. Und wir werden als Solidargemeinschaft nicht mehr in der Lage sein, alle Behandlungen zu...

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    49 min
  • Die Herausforderungen der ambulanten Pflege | Christian Matzka
    Dec 24 2025

    Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen und die meisten wollen dabei in der Häuslichkeit bleiben. Doch wie ist das umsetzbar?

    Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christian Matzka, der einen ambulanten Pflegedienst und ein ambulant betreutes Wohnen führt.

    Er schaut eher pessimistisch auf das Gesundheitssystem, so wirklich will sich die Politik da ja nicht rantrauen. Sein eigener Antrieb ist, dass er sich an die Gegebenheiten anpasst, wenn er die Rahmenbedingungen schon nicht anpassen kann.

    Die Leistung in der Pflege wird in einen Minutenwert gepresst, gleichzeitig sind die Pflegedienste völlig ausgelastet. Nicht alle finden einen Pflegedienst, wenn sie ihn brauchen.

    Viele können sich Pflege auch nicht leisten, weil der Pflegegrad die notwendige Unterstützung nicht abdeckt. Christian sieht zudem das Problem, dass wir insgesamt unter einer schärferen Kostensituation leiden. Er selbst versucht an allen Ecken Kosten einzusparen, um die Patient:innen nicht zu stark zu belasten.

    Ein Problem in der Versorgung sind auch die Wege: Pflegekräfte sitzen viel im Auto und können in der Zeit nicht versorgen.

    Laura und Christian befürchten beide, dass Pflege bald ein Luxusgut wird.

    Christian möchte auch gerne Investitionen machen, beispielsweise in KI, um eine Arbeitserleichterung für Mitarbeitende zu schaffen. Investitionen sind jedoch nicht so einfach, weil die Refinanzierung über die Kassen schwieriger wird – obwohl Christian ein Unternehmer ist und so handeln muss, hat er nicht die gleichen Rechte wie in der freien Wirtschaft. Dazu gehört auch das Marketing, um neue Mitarbeitende zu generieren.

    Öffentliche Aufklärung ist dringend notwendig. Immer mehr Menschen sind allein im Alter, dadurch wird ambulante Pflege natürlich umso wichtiger. Auch aus Kostengründen sollten wir als Gesellschaft alles dafür tun, dass Menschen möglichst lange zuhause versorgt werden können.

    Die beiden sprechen auch über die Aus-, Fort- und Weiterbildungssituation in Pflege und Medizin. Christian ist überzeugt: Pflege ist ein cooler Job!

    Man muss als Pflegedienstleitung aber auch die richtigen Rahmenbedingungen schaffen: Gute Einarbeitung, gutes Arbeitsklima. Auch ein gutes Gehalt ist natürlich wichtig.

    Die Politik braucht jetzt den Mut, Dinge umzusetzen. Denn genug Geld ist im System, da ist Laura von überzeugt. Sie erzählt, dass beispielsweise Frankreich die Inlandsflüge verboten hat, um das Klima zu schützen. So eine Umsetzungspragmatik bräuchte unser Gesundheitssystem auch!

    Doch was ist die Lösung?

    Laura findet es wichtig, Öffentlichkeitsarbeit zu machen und aufzuklären. Vorsorge innerhalb der Familie ist wichtig.

    Es kommt für fast alle irgendwann der Punkt, an dem wir Pflege benötigen und wenn wir dann nicht vorbereitet sind, dann entsteht erstmal große Überforderung.

    Sprecht darüber.



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    57 min
  • Ohne OTAs keine OPs – und trotzdem stimmen die Arbeitsbedingungen nicht | Eli Inhester
    Dec 17 2025

    Wie ist es, jeden Tag in einem OP zu arbeiten?

    Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Elisabeth Inhester, kurz Eli.

    Sie ist OTA, das ist kurz für operativtechnische Assistentin, früher wurde das OP-Schwester genannt.

    Als OTA arbeitet man ausschließlich im OP. Früher hat man hierfür zunächst eine Krankenpflegeausbildung gemacht, mittlerweile gibt es direkt eine Ausbildung, die sich auf den OP bezieht.

    Ganz wichtig: OTA ist kein Pflegeberuf!

    Im OP ist man sowohl die Person, die den sterilen Part übernimmt (kennt man aus Greys Anatomy, diejenigen, die Schere und Tupfer angeben), als auch die Person, die den Instrumentierenden versorgt und die Dokumentation macht. In jedem OP gibt es somit zwei OTAs – ohne sie ist keine OP möglich.

    Mittlerweile ist Eli OP-Leitung und koordiniert somit auch die OP-Säle und die Mitarbeitenden. Schon vor 12 Jahren, während ihrer Ausbildung, waren die Bedingungen schlecht. Mittlerweile sind sie noch schlimmer geworden: Es gibt kaum Fachpersonal, Stellen werden gestrichen und Berufsgruppen werden bunt durcheinander eingesetzt.

    Das Problem: Gesundheitsversorgung lohnt sich finanziell nicht.

    Die Arbeit im OP funktioniert im Zweischichtsystem und im Bereitschaftsdienst. OP-Zeit ist tagsüber, der Bereitschaftsdienst übernimmt dann Notfälle wie Notfall-Kaiserschnitte.

    Das Problem: Für die Bereitschaftszeit wird nur eine gewisse Zeit angerechnet. Eigentlich gibt es ein EU-Gesetz dazu, dass Bereitschaftszeit immer Arbeitszeit ist, doch wenn man Vollzeit arbeitet (und einen Teil im Bereitschaftsdienst) macht man automatisch ein Minus in den Stunden.

    Die Leidensfähigkeit der Healthcare Professionals ist sehr hoch, sie wird von der Politik aber auch genauso erwartet.

    Ausgebildet wird im laufenden Betrieb. Doch im OP gilt: Zeit ist Geld!

    Eli erzählt, dass Ausbildung kaum möglich ist, weil sie sonst zu dritt im OP stehen müssten – da gibt es einfach nicht genug Ressourcen für. Eine gute Einarbeitung braucht ein halbes Jahr, das ist in der Realität kaum möglich. Die Erwartungen und der Druck sind hoch, alles muss schnell gehen – da fällt Empathie öfter mal hinten runter.


    Im Gesundheitssektor gibt es eigentlich ein großes Druckmittel: Wir könnten auf Arbeitsgesetze plädieren, haben aber die Mentalität in uns, leiden zu müssen. Im OP merkt man fast militärische Hierarchiestrukturen immer noch. Auf der einen Seite ist das sinnvoll, damit nichts schiefgeht, modern ist es allerdings nicht.


    Laura möchte von Eli wissen, wie sie ein Krankenhaus organisieren würde, wenn man sie lassen würde. Eli würde den Fokus darauflegen, wie sinnvoll eine OP ist, nicht wie lukrativ.

    Bei Laura würde der Notfallbetrieb wie bei der Feuerwehr laufen: Tagsüber die geplanten Sachen und dann gibt es einen Saal nur für Notfälle. In großen Häusern ist es selbstverständlich, dass das Regulärprogramm bis abends um 22 Uhr läuft.

    Der Stress der Teams sollte definitiv reduziert werden, um die Qualität auch zu gewährleisten.


    Die Arbeitsbedingungen im Krankenhaus und OP sind schlecht, bei den KVen oder Krankenkassen sind sie viel besser, dass viele auch einfach in die Teppich-Etagen oder an die Schreibtische wechseln – ein Verlust an Ressourcen da, wo sie so dringend benötigt werden!


    Trotz all der schwierigen Seiten liebt Eli ihren Job und findet ihn erfüllend.



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    47 min
  • Versorgung kollabiert immer weiter - Laura zum aktuellen Stand
    Dec 10 2025

    Laura Dalhaus muss mal wieder was zum aktuellen Stand sagen und schaut sich dafür die Presse der letzten Wochen an.

    Der Start sind mal wieder Finanzen und Finanzierung. Es gibt nämlich immer noch keine Versorgungspauschale für unkomplizierte Chroniker. Ein Vorschlag ist tatsächlich 1 Cent.

    Das Gesundheitssystem sei laut Tino Sorge verantwortlich für den Wirtschaftsstandort Pharma.

    Kinder-Operationen werden weiterhin nicht in den Hybrid-DRGs aufgenommen. Kinderchirurgie steht damit weiterhin unter einem unfassbaren Druck, weil sie durch Erwachsenenmedizin querfinanziert werden soll. Dazu kommen unsinnige Hilfsmittelprüfungen. Laura als Hausärztin wird nämlich gefragt, ob ein Kind wirklich einen Rollstuhl bräuchte – welche Familie will einen Rollstuhl, wenn das Kind ihn nicht braucht?

    Kinder werden oft nachrangig behandelt, soweit, dass in OWL viele Augenärzt:innen keine Kinder mehr behandeln.

    Optiker:innen dürfen erst diagnostisch tätig werden ab dem 14. Lebensjahr. Laura findet es unsinnig, dass ein funktionierender und gut aufgestellter Bereich das nicht darf.

    Offiziell gibt es keinen Mangel an Kinderärzt:innen, im Gegenteil. In der Praxis aber schon. Dieser Zustand ist ein Indikator dafür, wie weit unter Gesundheitssystem schon kollabiert ist.

    Der Deutsche Psychotherapeutentag fordert eine gezielte und separate Bedarfsplanung für Kinder und Jugendliche. Auch unsere Gesundheitsministerin Nina Warken befürwortet das. Na dann hoffen wir mal, dass da was passiert!

    Der Dringlichkeitscode verspricht einen Facharzttermin in nur 4 Wochen. Wenn nicht, dürfen Patient:innen sich in einem Krankenhaus behandeln lassen. Für die Behandlung mit dem Code dürfen höhere Pauschalen abgerechnet werden. In Laura’s Augen funktioniert das alles nur mit einem echten Primärarztsytem, wenn ihre Überweisung auch etwas wert ist.

    Die KBV hat gesagt, es gäbe nicht genug Privatversicherte, sodass sie die Termine für gesetzlich Versicherte blockieren. Das sieht Laura als Eigentor.


    Die erste Telemedizin-Praxis hat im Supermarkt eröffnet. Für neue Patient:innen gibt es aber keine Blutdruckmedikamente oder Antibiotika. Was machen sie denn dann?

    Die Wettbewerbszentrale klagt schonmal gegen das dm-Augenscreening, aufgrund des Heilpraktikergesetzes sind die Mitarbeiter:innen vor Ort nicht zur Ausübung von Heilkunde befugt. Die Frage ist, ob diese Dinge das Gesundheitssystem wirklich entlasten.


    Eine Kollegin hat Laura kontaktiert. Sie hat einen Regressfall bekommen, sie wird nun dafür bestraft, dass sie zu viele Langzeit-EKGs und 24-Stunden-Blutdruckmessungen durchführt. Sanktionen basieren auf dem Vergleich mit einer Vergleichsgruppe – das ist aber kein verlässlicher Indikator für medizinische Notwendigkeit.

    Impfregresse für Hausärzt:innen gibt es unablässig. Jetzt impfen aber auch die Apotheken – da gibt’s keine Regresse! Es gibt hier nicht die gleichen Kontroll-Mechanismen.


    Der ärztliche Nachrichtendienst hat eine Umfrage zur Online-Bewertung gemacht. Wenn man eine unsachliche oder unfaire Bewertung bekommen hat, dann bricht man die Behandlung meistens ab. Die KV hat in einem Fall dann geschrieben, ob die Praxis nicht noch ein Auge zudrücken könnte. Auch Laura hat schonmal Post von einem Ehrenvorsitzenden bekommen, weil sie die Behandlung wegen eines zerrütteten Arzt-Patienten-Verhältnis abgebrochen hat.


    Das Hebammen-Hilfegesetz sollte dafür sorgen, dass Schwangere besser versorgt und Hebammen besser vergütet werden. Das Gegenteil ist der Fall.


    In der Forensik müssen immer mehr Pfleger:innen den Transport von Straftäter:innen übernehmen. Das gehört nicht in den Verantwortungsbereich.


    Die Zahl der Investoren-getriebenen-MVZs steigt. In der Radiologie- und Labormedizin liegt der Anteil bei über 50%. Auch der Marburger Bund warnt vor einer Kommerzialisierung der...

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    1 h et 6 min
  • Wie steht die SPD zur Gesundheitspolitik? | Matthias Mieves, SPD
    Dec 3 2025

    Wie steht die SPD zu unseren gesundheitspolitischen Herausforderungen?

    Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in ihrer neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Matthias Mieves, dem gesundheitspolitischen Sprecher der SPD. Er kämpft sehr engagiert für Digitalisierungsprojekte in der Medizin.

    Laura erzählt, dass sie gerade im Landtag als Sachverständige zu Gast war und auf einen Antrag der SPD zur wohnortnahen Versorgung reagiert hat. In Laura’s Wahrnehmung haben wir kein Erkenntnis- sondern ein Umsetzungsproblem.

    Matthias sieht, dass es viele Interessen von den vielen Beteiligten im System gibt. Das Thema ist emotional und es gibt viele Zuständigkeiten.

    Doch ist das System reformunfähig? Müssen wir raus aus der Systematik, dass Krankheit einen Marktwert hat?

    Matthias sieht das alles nicht so negativ. Besonders im Vergleich zu anderen Ländern findet er, dass wir ein gutes Gesundheitssystem haben. Er hebt hervor, dass wir alle in Deutschland krankenversichert sind.

    Matthias hofft auf die Krankenhausreform und dass dadurch sowohl die Qualität gesteigert und Personal besser verteilt wird. Dies soll eine bessere Zusammenarbeit gewährleisten.

    Laura hinterfragt das stark!

    Sie erzählt, dass das Pflegebudget aktuell dafür genutzt wird, dass Pflegepersonal Aufgaben übernehmen muss, die vorher nicht als Pflegeaufgaben deklariert wurden.

    Schauen wir uns den Gesundheitsfond an: Laura ist sich sicher, dass wir genug Geld im System haben. Viele Krankenkassenbeiträge werden jedoch ausgegeben für versicherungsfremde Leistungen.

    Matthias findet es wichtig, dass natürlich auch Bürgergeldempfänger:innen und Kinder versichert sind. Jedoch findet er, dass wir alle in einem solidarischen System hierfür einzahlen müssen, nicht nur die gesetzlich Versicherten.


    Laura hinterfragt, dass Medikamente in Deutschland viel schneller zugelassen werden als in anderen Ländern. So sind wir als Land besonders attraktiv für Pharmafirmen.

    Matthias findet das allerdings gut, denn er sagt, dass wir so schnell an neue Medikamente kommen.


    Die letzten Tage und Wochen in unserem Leben sind die teuersten.

    Laura wünscht sich eine gesamtgesellschaftliche Diskussion darüber, wie wir mit steigenden Medikamentenpreisen umgehen wollen und auch, ob es okay ist, dass die letzten 3 Monate 130.000€ kosten könnten.

    Matthias möchte diese Diskussion nicht offen führen, sondern schiebt sie auf die Familien.


    In der neuen Kommission zur Gesundheit sitzt niemand aus der ambulanten Versorgung. Ist die Politik auf dem ambulanten Auge blind? Auch Matthias findet es nicht gut, wie die Kommission besetzt ist und wünscht sich mehr praxisnahe Unterstützung in den Kommissionen.


    Laura findet es wichtig, nicht den Mut zu verlieren. Menschen sind verzweifelt und Laura sieht es als einen wichtigen, demokratiestabilisierenden Faktor, dass die Gesundheitsversorgung funktioniert. Matthias möchte nicht, dass Menschen sich abgehängt fühlen, ob durch fehlende Versorgung oder zu wenig Apotheken.

    Eine wohnortnahe Versorgung benötigt niedergelassene Ärzt:innen!


    Die sektorübergreifende Zusammenarbeit funktioniert noch nicht so gut. Viele Player wollen ihren Teil des Kuchens. Für Laura wäre es auch völlig okay, wenn die Krankenhäuser Hausarztmedizin machen, aber dann müssen die Bedingungen gleich sein: Dann müssten diese auch Hausbesuche machen.

    Wir müssen die Zusammenarbeit verbessern!



    Folg Laura auch hier:

    LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/dr-laura-dalhaus-mahm-5470b597/


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    43 min