5 Architektur als Volksbildung Folge 5 von Amor, Psyche und Preußen mit Michaela van den Driesch
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Das Brandenburger Tor in Berlin steht in dieser 5. Folge von „Amor, Psyche und Preußen“ im Focus. Ein Symbol - Bauwerk, das wie kaum ein anderes die politischen und kulturellenUmbrüche Deutschlands spiegelt. Zu Gast ist die Kunsthistorikerin Michaela van den Driesch, die dazu geforscht hat und verschiedene Schichten zu Tage bringt.
Das Brandenburger Tor war von Anfang an mehr als ein Stadttor. Sein Architekt Carl Gotthard Langhans konzipierte es als programmatisches Bauwerk: als architektonische Übersetzung der attischen Polis nach Berlin. Das Tor war weiß gefasst – als Anspielung auf parischen Marmor – und sollte den Anspruchverkörpern, Berlin als „Spree-Athen“ zu etablieren. Selbst die nächtliche Beleuchtung durch große Kronleuchter war Teil dieses modernen, auf Wirkung bedachten Konzepts. Architektur wurde hier zur Bühne politischer und geistigerSelbstvergewisserung.Bemerkenswert ist auch die ursprüngliche Bedeutung der Quadriga: Sie stellte eine Friedensgöttin dar, keine Siegesgöttin. Erst nachden Befreiungskriegen und der Rückführung der von Napoleon geraubten Skulptur aus Paris wandelte sich ihre Symbolik – nicht zuletzt durch das von Karl Friedrich Schinkel ergänzte Eiserne Kreuz aus den Befreiungskriegen. Anhand derwechselnden Farbfassungen des Tores – von weiß über café-au-lait bis zu dunklem Grau – wird deutlich, wie stark politische Systeme ihre jeweilige Ideologie hier ausgedrückt haben.
Ähnliches gilt für das Reiterstandbild Friedrichs II. Unter den Linden. Der von Christian Daniel Rauch geschaffene Bronze-Friedrich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt, später in der DDR wieder aufgestellt – leicht versetzt, technischbedingt durch unterirdische Leitungen. Auch hier zeigt sich: Denkmäler sind Projektionsflächen gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.Im Gespräch wird Friedrich II. von Preußen nicht verklärt, sondern in seiner Ambivalenzbetrachtet: als aufgeklärter Monarch mit Sinn für Kunst und Toleranz, zugleich als militärischer Machtpolitiker. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn zur interessantesten Figur für Michaela van den Driesch – und erklärt, warum einDenkmal für den Preußenkönig schon zu seinen Lebzeiten gefordert wurde.
Ihr Lieblingskunstwerk ist ein architektonisches Ensemble, das den Gedanken der Volksbildung exemplarisch verkörpert: die Berliner Museumsinsel. Mit dem Alten Museum, dem Neuen Museum und dem Pergamonmuseum entstand ein Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger – sofern sie „sauber gekleidet und gewaschen“ waren – Zugang hatten. Architektur wurde hier zum pädagogischen Instrument. Wer nicht reisen konnte, sollte dennoch die Welt sehen können. Monumentale Rekonstruktionen wie der Pergamonaltar vermitteltennicht nur Wissen, sondern ein Raumerlebnis, das Bildung sinnlich erfahrbar machte.
Hier zeigt sich, dass preußische Architektur nicht allein Machtdemonstration war. Sie war – zumindest im Ideal – Ausdruck eines Bildungsanspruchs: Die Stadt als Lehrbuch, das Bauwerk als Medium politischer Idee.
Das Brandenburger Tor steht heute als nationales Symbol und für den Fall der Mauer.Die ursprüngliche Botschaft verweist auf Gedanken, die aktueller kaum sein könnten: Dass Architektur Öffentlichkeit schafft. Dass sie Diskussion ermöglicht. Und dass sie, im besten Fall, zur Volksbildung beiträgt.
Geplant war es als Friedenstor.