Couverture de Amor, Psyche und Preussen

Amor, Psyche und Preussen

Amor, Psyche und Preussen

De : Gäste Gert Streidt & Julia Theek augustfilm podcasts
Écouter gratuitement

À propos de ce contenu audio

Die Kulturgeschichte Preußens im Gespräch - ohne clickbait oder Ideologie 14 Interviews in der 1. Staffel „Mit welchem Vorurteil, mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber Julia Theek & Gert Streidt.Gäste, Gert Streidt & Julia Theek augustfilm podcasts
Épisodes
  • 5 Architektur als Volksbildung Folge 5 von Amor, Psyche und Preußen mit Michaela van den Driesch
    Mar 5 2026

    Das Brandenburger Tor in Berlin steht in dieser 5. Folge von „Amor, Psyche und Preußen“ im Focus. Ein Symbol - Bauwerk, das wie kaum ein anderes die politischen und kulturellenUmbrüche Deutschlands spiegelt. Zu Gast ist die Kunsthistorikerin Michaela van den Driesch, die dazu geforscht hat und verschiedene Schichten zu Tage bringt.
    Das Brandenburger Tor war von Anfang an mehr als ein Stadttor. Sein Architekt Carl Gotthard Langhans konzipierte es als programmatisches Bauwerk: als architektonische Übersetzung der attischen Polis nach Berlin. Das Tor war weiß gefasst – als Anspielung auf parischen Marmor – und sollte den Anspruchverkörpern, Berlin als „Spree-Athen“ zu etablieren. Selbst die nächtliche Beleuchtung durch große Kronleuchter war Teil dieses modernen, auf Wirkung bedachten Konzepts. Architektur wurde hier zur Bühne politischer und geistigerSelbstvergewisserung.Bemerkenswert ist auch die ursprüngliche Bedeutung der Quadriga: Sie stellte eine Friedensgöttin dar, keine Siegesgöttin. Erst nachden Befreiungskriegen und der Rückführung der von Napoleon geraubten Skulptur aus Paris wandelte sich ihre Symbolik – nicht zuletzt durch das von Karl Friedrich Schinkel ergänzte Eiserne Kreuz aus den Befreiungskriegen. Anhand derwechselnden Farbfassungen des Tores – von weiß über café-au-lait bis zu dunklem Grau – wird deutlich, wie stark politische Systeme ihre jeweilige Ideologie hier ausgedrückt haben.

    Ähnliches gilt für das Reiterstandbild Friedrichs II. Unter den Linden. Der von Christian Daniel Rauch geschaffene Bronze-Friedrich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt, später in der DDR wieder aufgestellt – leicht versetzt, technischbedingt durch unterirdische Leitungen. Auch hier zeigt sich: Denkmäler sind Projektionsflächen gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.Im Gespräch wird Friedrich II. von Preußen nicht verklärt, sondern in seiner Ambivalenzbetrachtet: als aufgeklärter Monarch mit Sinn für Kunst und Toleranz, zugleich als militärischer Machtpolitiker. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn zur interessantesten Figur für Michaela van den Driesch – und erklärt, warum einDenkmal für den Preußenkönig schon zu seinen Lebzeiten gefordert wurde.

    Ihr Lieblingskunstwerk ist ein architektonisches Ensemble, das den Gedanken der Volksbildung exemplarisch verkörpert: die Berliner Museumsinsel. Mit dem Alten Museum, dem Neuen Museum und dem Pergamonmuseum entstand ein Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger – sofern sie „sauber gekleidet und gewaschen“ waren – Zugang hatten. Architektur wurde hier zum pädagogischen Instrument. Wer nicht reisen konnte, sollte dennoch die Welt sehen können. Monumentale Rekonstruktionen wie der Pergamonaltar vermitteltennicht nur Wissen, sondern ein Raumerlebnis, das Bildung sinnlich erfahrbar machte.
    Hier zeigt sich, dass preußische Architektur nicht allein Machtdemonstration war. Sie war – zumindest im Ideal – Ausdruck eines Bildungsanspruchs: Die Stadt als Lehrbuch, das Bauwerk als Medium politischer Idee.

    Das Brandenburger Tor steht heute als nationales Symbol und für den Fall der Mauer.Die ursprüngliche Botschaft verweist auf Gedanken, die aktueller kaum sein könnten: Dass Architektur Öffentlichkeit schafft. Dass sie Diskussion ermöglicht. Und dass sie, im besten Fall, zur Volksbildung beiträgt.

    Geplant war es als Friedenstor.

    Afficher plus Afficher moins
    33 min
  • Ambivalenz, aber Luise. mit dem Künstler Rainer Ehrt Folge 4 Amor, Psyche und Preussen
    Feb 28 2026

    Unser Gast, der satirische Zeichner Rainer Ehrt, sieht die preußischeGeschichte sehr kritisch, er selberspricht von Hass-Liebe. Seine jüngsteGraphic Novel widmet er aber Luise. Eine heute kaum noch bekannte Königin,einst umrankt von Legenden, verehrt als Madonna des Vaterlands, stilisiert zurnationalen Ikone – und doch zugleich eine sehr reale Frau mit Charme,Widersprüchen und politischem Instinkt. Ehrt ist kein Historiker, sondern einkünstlerischer Chronist. Einer, der auch kritisch ist – vor allem zurWiederaufbau preußischer Schlösser und vor allem der Garnisonkirche. Erbewundert die ästhetische Sensibilität und die Reformbereitschaft einzelner Herrscher– und bleibt doch sensibel gegenüber Militarismus, Autoritätsdenken undspäterer nationalistischer Vereinnahmung.

    Gerade deshalb ist Luise für ihn so spannend. Sie passt nicht in daseinfache Schwarz-Weiß-Bild Preußens. Sie war jung, lebenslustig, modischstilprägend – ein Star ihrer Zeit. Als sie mit ihrem Mann durch Kassel reiste,pilgerten Studenten aus Göttingen zu Fuß dorthin, nur um einen Blick auf sie zuerhaschen. In Berlin führte sie den Walzer bei Hofe ein – ein Skandal fürkonservative Kreise. Und sie schrieb leidenschaftliche Briefe, die heute nochberühren. Politisch trat sie in einem Moment auf die große Bühne, als Preußenam Boden lag: nach der Niederlage gegen Napoleon 1806. Die berühmte Begegnungmit Napoleon Bonaparte wurde später zum Mythos verklärt – die schöne Königin,die dem mächtigen Eroberer gegenübertritt. Doch was war Projektion, wasRealität? Ehrt interessiert weniger das Pathos als der Moment, in dem eine Frauin einer von Männern dominierten Machtwelt Haltung zeigt. Obwohl sie ihrempazifistischen Gatten vom „schändlichen Frieden“ abrät. Friedrich Wilhelm III.,zeichnet Ehrt zögerlich oder hölzern, aber auch als – als innerlich zerrissenenHerrscher, der das Grauen des Krieges erlebt hatte und Gewalt zutiefstablehnte. Luise war für ihn Partnerin, Stütze, vielleicht auch politischeImpulsgeberin. Eine echte Liebesbeziehung im preußischen Königshaus – dasallein bricht schon mit vielen Klischees.

    Neben historischen Einordnungen geht es immer wieder um die Möglichkeitender Kunst. Wie nähert man sich einer Figur, deren Bild vor allem ausIdealisierungen besteht? Wie zeichnet man eine Frau, deren Aussehen nur ansatzweisein Gemälden, Büsten und einer Totenmaske überliefert ist? Ehrt spricht überGestaltwandel, Mode, Projektionen – und über die Herausforderung, Charme undEleganz sichtbar zu machen, ohne in Kitsch zu verfallen.

    Auch der größere Bogen fehlt nicht: Wo endet Preußen, wo beginntDeutschland? Welche Linien führen vom Reformstaat ins Kaiserreich? Und wasmachen wir heute mit diesem Erbe? Zwischen Grabmälern, Klassizismus undIndustriezeitalter – von Johann Gottfried Schadow bis Adolf von Menzel –entfaltet sich ein Panorama, das Preußen weder verklärt noch verdammt. Auch diesePodcastfolge guckt hinter die Klischees - mit Beziehungen, Briefen oder Bildern.

    Afficher plus Afficher moins
    40 min
  • 3. Verkleidet, vertont und fast vergessen - Popsong für die preußische Jeanne d'Arc mit Dr. Beate Klompmaker
    Feb 26 2026

    Diese Folge widmen wir einer historischen Figur, die bis heute fasziniert : Eleonore Prochaska - 1785 geboren schloss sie sich 1813, als Mann verkleidet, dem Lützowschen Freikorps im Kampf gegen Napoleon an. Unter dem Namen August Renz kämpfte sie als Soldatin, wurde schwer verwundet und starb kurz darauf. Nach ihrem Tod wurde sie als „preußische Jeanne d’Arc“ verklärtund zur patriotischen Heldin stilisiert. Dichter wie Friedrich Rückert widmeten ihr Gedichte, und Ludwig van Beethoven komponierte den berühmten Trauermarsch zum Tod einer Heldin.

    Doch wer war Eleonore Prochaska? Was trieb sie an? Patriotismus, Freiheitsdrang, persönliche Emanzipation – oder der Wunsch nach einem anderen Leben jenseits enger Geschlechterrollen? Für diese Fragen haben wir dieKunstwissenschaftlerin, Musikerin und Konzeptkünstlerin Beate Klompmaker eingeladen. Ihr Popsong für Eleonore begleitet unseren Podcast als Titelmusik. Beate nähert sich Prochaska nicht nur historisch, sondern künstlerisch und medial.Ausgangspunkt ihres Projekts war eine Zeichnung der jungen Frau, die sie in einer Ausstellung entdeckte. Daraus entwickelte sie ein vielschichtiges Kunstprojekt: ein Reenactment mit einer heutigen Darstellerin, eine mediale Installation im Böhmischen Dorf mit u.a.vertonten Briefen Prochaskas. Klompmaker übertrug die Figur in die Gegenwart, in einem künstlerischenBlog-Projekt ließ sie „Eleonore“ als moderne Soldatin aus Afghanistan berichten. Über soziale Medien entwickelte die historische Figur eine eigene Dynamik – zwischen Trostspenderin, Projektionsfläche und Objekt der Begierde.Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwammen bewusst.

    Das Gespräch weitet sich von der historischen Figur hin zu aktuellen Fragen: Wie entsteht Mythos? Wann kippt Erinnerung in Kitsch? Wie gehen wir mit Heldenerzählungen um?
    Auch das Berliner Stadtschloss steht zur Debatte: zwischen Identitätssuche, Kolonialismus-Debatte, Kunst am Bau und gesellschaftlicher Ambivalenz.
    Die Episode verbindet Geschichte, Kunst, Musik und Gegenwartsfragen – und zeigt, wie eine historische Jugendliche Diskussionen über Krieg, Geschlechterrollen, Selbstermächtigung und politische Verantwortung anstoßen kann.

    Afficher plus Afficher moins
    38 min
Aucun commentaire pour le moment