Ich habe keine Lust mehr, immer alles richtig machen zu müssen. Warum glauben wir eigentlich, dass wir Frauen perfekt sein müssen? Perfekt aussehen, perfekt funktionieren, perfekte Mütter, Partnerinnen, Töchter, Angestellte oder Unternehmerinnen sein? Ich möchte aus diesem Hamsterrad aussteigen.
Ich war schon immer ein Matschkind. Ich liebe es, mich schmutzig zu machen, barfuß durch den Garten zu laufen und auch mal mit schwarzen Nägeln herumzulaufen. Nagellack, Lippenstift oder gefärbte Haare brauche ich nicht, nur damit ich nach außen einem bestimmten Bild entspreche. Ich möchte mich fragen: Fühlt es sich für mich gut an? Und wenn die Antwort Nein ist, dann darf ich es lassen.
Ich habe selbst jahrzehntelang People-Pleasing gelebt. Ich wollte dazugehören, Erwartungen erfüllen und es allen recht machen. Ich habe Dinge ausprobiert, von denen ich eigentlich vorher schon wusste, dass sie nichts für mich sind – zum Beispiel früh aufzustehen oder kalt zu duschen. Für andere mögen solche Challenges großartig sein. Für mich machen sie schlechte Laune. Und das darf so sein. Nur weil etwas angeblich gesund, sinnvoll oder erfolgreich ist, muss es noch lange nicht zu mir passen.
Perfektionismus hat mich unglaublich viel Zeit, Energie und Nerven gekostet. Ein Beispiel ist die vergessene Mülltonne: Statt einfach in der Praxis anzurufen und meinen Fehler einzugestehen, bin ich eine Stunde nach Hause gefahren, habe die Tonne geholt, bin zurückgefahren und später am nächsten Morgen wieder früh hingefahren. Und wofür? Die Müllabfuhr kam an diesem Tag nicht einmal. Heute sehe ich, wie viel unnötigen Druck ich mir selbst gemacht habe, nur um keinen Fehler zuzugeben.
Ich möchte nicht mehr danach leben, was meine Nachbarin, meine Familie, mein Umfeld oder Menschen in Social Media über mich denken könnten. Es darf wichtiger sein, dass mein Leben für mich stimmig, bunt, gesund und voller Freude ist. Ich möchte meinen eigenen Weg gehen, auch wenn er anders aussieht als der der anderen.
Das gilt auch für die kleinen Dinge des Alltags. Ich darf den Abwasch stehen lassen, Unkraut wachsen lassen oder einen Haufen im Garten nicht sofort wegräumen. Ich darf bei einer Familienfeier aufhören, alles perfekt vorzubereiten und hinterher stundenlang aufzuräumen. Ich möchte nicht mehr so viel Energie investieren, damit es für alle anderen schön ist, während ich selbst den eigentlichen Genuss verpasse.
Ich wünsche mir deshalb mehr Frauen, die sich trauen, unperfekt perfekt ihr eigenes Leben zu leben. Frauen, die laut, bunt und authentisch ihren Weg gehen – nicht um anderen etwas zu beweisen, sondern weil es sich für sie richtig anfühlt. Vielleicht inspiriert genau das eine andere Frau, ebenfalls einen kleinen Schritt zu wagen.
Für mich bedeutet das: Perfektionismus darf sich verändern und zu einer Superkraft werden. Ich möchte nicht mehr perfekt für die Welt sein. Ich möchte mein Leben so gestalten, dass es für mich perfekt passt – mit all dem Chaos, der Unordnung, den Ecken und Kanten, die dazugehören.
Und genau dazu möchte ich auch andere Frauen ermutigen: Was war dein altes Muster? Wo hast du versucht, es allen recht zu machen? Und wie möchtest du es heute neu haben? Vielleicht können wir gemeinsam eine Sisterhood sein, in der wir uns gegenseitig ermutigen, unseren ganz eigenen Weg zu gehen.