Episodes

  • Ratatöskr - das Eichhörnchen und die Macht der Kommunikation
    11 Oct 2026

    Ein kleines Eichhörnchen läuft unermüdlich den gewaltigen Stamm des Weltenbaumes Yggdrasil hinauf und hinunter. Sein Name ist Ratatöskr. Und seine Aufgabe ist es, offenbar feindselige Worte zwischen einem Adler in der Baumkrone und dem schlangenartigen Níðhöggr an den Wurzeln zu überbringen.

    Eine unscheinbare Figur der nordischen Mythologie, deren Geschichte uns erstaunlich viel über unser eigenes Leben erzählen kann.

    Was geschieht, wenn wir Worte anderer Menschen weitertragen? Warum sprechen wir manchmal lieber übereinander als miteinander? Und wie können aus Missverständnissen Konflikte entstehen, die irgendwann ein Eigenleben entwickeln?

    In dieser Folge von „Gedanken unterm Weltenbaum“ geht es um die Macht unserer Worte, um Verantwortung, Vertrauen und die Frage, wann es vielleicht besser wäre, eine Botschaft nicht weiterzutragen.

    Mythologische Quellen

    Lieder-Edda, Grímnismál, Strophe 32

    Hier wird Ratatöskr als Eichhörnchen beschrieben, das an Yggdrasil auf und ab läuft und die Worte des Adlers zu Níðhöggr hinunterträgt.

    Snorri Sturluson, Prosa-Edda, Gylfaginning, Kapitel 16

    In dieser Überlieferung wird ausdrücklich beschrieben, dass Ratatöskr feindselige Worte zwischen Adler und Níðhöggr übermittelt.

    Die Überlieferungen sagen nicht eindeutig, ob Ratatöskr die Botschaften absichtlich verändert oder welche Beweggründe er für sein Verhalten hat. Die entsprechenden Überlegungen in dieser Folge sind daher eine freie Interpretation der mythologischen Erzählung.

    Weiterführende Quellen
    • Die Lieder-Edda, insbesondere Grímnismál, Strophe 32

    • Snorri Sturluson: Die Prosa-Edda, Gylfaginning, Kapitel 16

    • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie, Alfred Kröner Verlag

    Über den Podcast

    „Gedanken unterm Weltenbaum“ erzählt von der nordischen Mythologie und fragt, was ihre alten Geschichten uns heute noch sagen können. Über die Natur, unser Zusammenleben und uns selbst.

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    24 min
  • Fenrir - der Wolf, den die Götter fürchteten
    27 Sep 2026

    Die Götter kennen die Weissagung. Sie wissen, dass von Fenrir eines Tages großes Unheil ausgehen wird. Also versuchen sie, die Zukunft unter Kontrolle zu bringen.

    Doch Fenrir hat zu diesem Zeitpunkt noch nichts getan.

    In dieser Folge von Gedanken unterm Weltenbaum erzähle ich die Geschichte des gewaltigen Wolfes, von seiner Herkunft als Sohn Lokis und der Riesin Angrboða über seine Zeit bei den Göttern bis zu seiner Fesselung mit Gleipnir und schließlich Ragnarök.

    Dabei geht es um weit mehr als einen Wolf aus der nordischen Mythologie. Es geht um Angst und Kontrolle, um Týr und ein gebrochenes Versprechen, um Vertrauen und Verrat und um eine Frage, die mich bei der Beschäftigung mit Fenrir nicht mehr losgelassen hat:

    Haben die Götter in ihrem Versuch, ihr Schicksal zu verhindern, vielleicht selbst dazu beigetragen, dass es sich erfüllt?

    Und wir gehen noch einen Schritt weiter: hinaus in die Wildnis und hinein in unser eigenes Leben. Wie gehen wir mit dem um, was sich unserer Kontrolle entzieht? Wann schützt uns Misstrauen tatsächlich und wann erschafft es nur eine trügerische Sicherheit? Und was können wir von der Natur darüber lernen, Unsicherheit auszuhalten?

    Eine Geschichte über einen gefürchteten Wolf, die mir sehr viel nähergekommen ist, als ich erwartet hatte.

    Quellen für diese Folge:
    Snorri Sturluson: Gylfaginning in der Prosa-Edda
    Völuspá
    in der Lieder-Edda
    Karl Simrock: Die Edda

    Die Gedanken zu Vertrauen, Kontrolle, Wildnis und einer möglichen selbsterfüllenden Prophezeiung sind meine persönliche heutige Lesart des Mythos. Wo die Quellen enden und meine eigene Deutung beginnt, versuche ich in der Folge bewusst sichtbar zu machen.

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    27 min
  • Ymir - als die Welt noch ein Riese war
    13 Sep 2026

    Bevor es Wälder, Berge oder einen Himmel gab, trafen im leeren Raum des Ginnungagap Kälte und Hitze aufeinander. Eis begann zu schmelzen, und aus den Tropfen entstand das erste Leben:
    Ymir, der Urriese.

    In dieser Folge erzähle ich von Ymir und der Urkuh Audhumbla, von den ersten Göttern und davon, wie Odin und seine Brüder aus Ymirs Körper die Welt formten.

    Doch die Geschichte führt weiter. Sie erzählt davon, dass Neues entstehen kann, obwohl wir es uns vorher nicht vorstellen konnten. Vielleicht fehlt uns heute noch eine Begegnung, eine Erfahrung oder ein Puzzleteil, durch das die Dinge eines Tages in einem anderen Zusammenhang erscheinen.

    Quellen und weiterführende Hinweise:

    Die Geschichte von Ymir ist vor allem in der Lieder-Edda und in Snorri Sturlusons Prosa-Edda überliefert.

    Lieder-Edda: Vafþrúðnismál, besonders Strophen 21 und 29–35.

    Strophe 21: Weltentstehung aus Ymirs Körper
    Strophen 29–35: Abstammung, Herkunft und Fortpflanzung der Riesen

    Lieder-Edda: Grímnismál 40–41: die ergänzende Körper-Schöpfung, einschließlich Midgard und Wolken

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    22 min
  • Yggdrasil - der Baum, der die Welt trägt
    31 Aug 2026

    In der ersten Folge von „Gedanken unterm Weltenbaum“ steht Yggdrasil im Mittelpunkt: die gewaltige Esche, die in der nordischen Mythologie den Kosmos verbindet.

    An ihren Wurzeln liegen heilige Brunnen, in ihrer Krone leben Adler und Hirsche, und tief unter dem Baum nagt Nidhöggr am Holz. Yggdrasil trägt die Welten, obwohl der Baum selbst verletzlich ist und täglich gepflegt werden muss.

    Was erzählt uns dieses Bild über unsere eigenen Wurzeln, über die verschiedenen Äste unseres Lebens und über das, was uns nährt oder an uns nagt?

    Eine persönliche Reise führt außerdem zu einer verschlungenen Süntelbuche auf Rügen, die lange nur ein Fotomotiv war und schließlich zum Weltenbaum dieses Podcasts wurde.

    Quellen und weiterführende Hinweise

    • Lieder-Edda: Völuspá, besonders Strophen 2, 19 bis 20 und der Abschnitt über Ragnarök; Grímnismál, besonders Strophen 29 bis 35; Hávamál, besonders Strophen 138 bis 141; Vafþrúðnismál zur Weltschöpfung und zu den Überlebenden Ragnaröks. Verwendete Ausgabe: Edward Pettit, The Poetic Edda, Open Book Publishers, 2023. Kostenfreie wissenschaftliche Ausgabe

    • Snorri Sturluson: Prosa-Edda, besonders Gylfaginning zur Entstehung der Welt, zu Yggdrasil und seinen drei Wurzeln, den Nornen, den Tieren am Weltenbaum sowie Ragnarök. Verwendete Übersetzung: Anthony Faulkes, Edda, Viking Society for Northern Research. Kostenfreie Ausgabe

    • Snorri Sturluson: Prosa-Edda, insbesondere Gylfaginning. Entstanden im Island des 13. Jahrhunderts. Eine der wichtigsten schriftlichen Quellen zur nordischen Mythologie.

    • Lieder-Edda / Poetische Edda: Sammlung altnordischer Götter- und Heldenlieder, überliefert vor allem im Codex Regius aus dem 13. Jahrhundert. Viele der enthaltenen Stoffe gehen auf ältere mündliche Traditionen zurück.

    • Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie. Kröners Taschenausgabe, Stuttgart. Standardwerk zu nordischer und kontinentalgermanischer Mythologie

    • Vereinigte Domstifter: Die Merseburger Zaubersprüche. Informationen zur althochdeutschen Überlieferung und zu Wodan und weiteren Gestalten der vorchristlichen germanischen Götterwelt: Merseburger Dom

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    26 min